Gleich zwei Anträge

Mittwoch. Ich stelle gerade Anträge. Einen für mich, also für mein Buchprojekt, und einen für die neuen Eisenacher Texte.
Wahrscheinlich werden beide abgelehnt. Ich werde bei so was nie genommen. Ich stelle auch nicht gerade viele Anträge, das letzte Mal vor fünf Jahren. Ist immer eine Heidenarbeit und kommt nichts bei rum. Also für mich nicht.
Für Alles was zählt – 18 Mal Hoffnung in Krisenzeiten, das war dieser letzte Antrag, hätte ich schon erwartet, dass es diesmal klappt mit der Förderung. Aber dann hieß es, ich würde die Texte ja gar nicht selbst schreiben, das seien ja Interviews. Na ja, aus einer 70-seitigen Interviewaufzeichnung einen Zehnseitentext zu machen, der pointiert ist und trotzdem die Tonlage des Gesprächspartners behält, das ist schon Eigenarbeit, durchaus auch mit meinen Spuren darin und nicht nur mit denen des Gegenübers. Aber das klingt jetzt schon wieder so korinthenkackerisch, und das alles zu erklären und rumzuargumentieren, darauf habe ich gar keine Lust. Das macht so üble Laune, dass ich das Gefühl bekomme, meine Bücher werden dadurch beschmutzt, durch dieses Hin und Her und diese pingelingen Fragen.
Der Antrag ist jetzt fertig, was mich mitsamt den Anhängen und Nachweisen zwei komplette Tage gekostet hat, und abgeschickt. Morgen um 23 Uhr ist Deadline. Ab dem Moment des Abschickens versuche ich das Ganze leidenschaftslos zu vergessen. Ich habe auch die Bestätigung vom Antragseingang gelöscht. Irgendwann, in einem halben Jahr oder so, werde ich mich daran erinnern und denken, ach, hat wieder nicht geklappt mit dem Antrag, na egal.
Dafür hat PM heute Geburtstag und wir haben einen schönen Tag gehabt, und er hat sich über meine Überraschung riesig gefreut: Einen großen, alten Globus aus Glas, nicht aus Plastik. Den habe ich in Tübingen bei einem Antiquitätenhändler gefunden. Er steht jetzt auf dem Geburtstagstisch und leuchtet schön und irgenwie magisch.
Vorhin waren wir mit Freunden in Spaziergang nach Syrakus – ein so bezaubernder Film, dass ich stellenweise hätte heulen können. Die Frau neben mir hat geheult, genau an den Stellen, die auch ich ganz besonders nahegehend fand. Charly Hübner ist ein wunderbarer Schauspieler und Spaziergang nach Syrakus ein wunderbarer, melancholischer Film, genau das Richtige für einen Geburtstag und danach zusammen Essen gehen und quatschen und lachen und sich wohlfühlen.
So war unser Abend, und die Anträge – sind fast schon wieder vergessen.