Samstag. Mir hat mal eine Agentin am Telefon gesagt: „Schuster, bleib bei deinem Leisten.“
Blöde Kuh, hab ich gedacht, die kennt mich doch gar nicht. Die hat keine Ahnung, wieviel Energie ich aufbringen kann, wenn ich wirklich etwas will.
Es ging um das Buch Lass uns über den Tod reden, und sie hat es mir nicht geglaubt, dass ich an all diese Leute rankomme, um sie zu interviewen. Ein Vertrag zwischen uns kam also nicht zustande. Das Buch kam zustande. Ohne eine Agentur. Es ist gut geworden und hat einen guten Verlag gefunden. Ein Buch, auf das ich immer noch stolz bin.
In den letzten Tagen ist ein Mantra in mir aufgeploppt: Ein bisschen mehr Anarchie wagen.
Zum Beispiel gleich heute: Mal über eine rote Ampel flitzen, mal sagen, was man denkt und die Höflichkeit hinter sich lassen, mal einen gewagten Vorschlag nicht nur im Geist formulieren, sondern direkt abschicken.
Ich schnarche mental sonst weg. Ich glaube, das ist ein sehr guter Vorsatz, morgen habe ich Geburtstag und werde wieder ein Jahr jünger. Seit ein paar Jahren zähle ich rückwärts. Auch so ein Vorsatz, mit dem ich allerbestens zurechtkomme, und die anderen fragen nicht mehr nach. Sie wissen, es stimmt sowieso nicht, was ich sage, und ich weiß es ja selbst kaum noch. Weil Alter für mich keine Kategorie ist. Es gibt viele Junge, die mir alt und geistig verschrumpelt vorkommen, und Alte, die mich mit ihrer Wachheit inspirieren. Neugierig sein und Fragen stellen ist sexy. Bei seinem Leisten zu bleiben, ist absolut unsexy. Sei maßlos! That’s it!