Schlimme Finger unter sich

Samstag. Zwischendurch – ich habe ein neues Buchprojekt begonnen – komme ich an den Epstein-Akten nicht vorbei und grusel mich vor Widerwärtigem und Schockierendem, das da peu à peu ans Tageslicht kommt.
Beinahe noch gruseliger finde ich, dass sie AntisemitInnen Anlass geben, noch ungenierter aus ihren Löchern zu kriechen, um mit judenfeindlichen Verschwörungstheorien wahlweise „die Juden“ / Israel / den Mossad zum Urheber der Epstein-Affaire zu erklären. Oder kriegsgeile RussophobikerInnen ihren Lieblingsfeind Putin.
Was auch immer noch alles rauskommt, warum eigentlich gerade jetzt? Vielleicht bewirken die Veröffentlichungen genau das, was sie bewirken sollen: Erschrecken und Verunsicherung. Da interessiert mich doch die Frage, welche Elefanten im Raum sollen wir vor lauter Aufregung über die Strippenzieher Epstein/Maxwell und die über sie stolpernden Marionetten übersehen? Den never ending Krieg in der Ukraine? Das ungelöste Migrationsproblem? Die irre Staatsverschuldung?
Die Medien rühren die Epstein-Suppe jetzt schon so lange, dass sie angebrannt schmeckt. Wieso kommt so wenig bei rum? Was nützen Namen, wenn Nachweise fehlen? Gibt es so wenige, oder werden die noch immer unter Verschluss gehalten? Bei Trump, der im Mittelpunkt des medialen Interesses steht, scheint es kaum Relevantes zu geben, sonst würde der Spiegel außer einem reißerischen Titelbild nicht dermaßen im Nebel stochern.
Die mit Epstein-News bombardierte Öffentlichkeit erwartet, dass Täter für ihre Taten bestraft werden. Massenhaft Prominente, deren Namen in den Akten auftauchen, sind damit nun medial / gesellschaftlich geächtet. Aber nicht jeder, der sich E-Mails mit einem steinreichen Vergewaltiger schreibt, ist selbst ein Vergewaltiger, sondern hat sich vielleicht einfach nur Vorteile davon versprochen. Das ist nicht fein, aber auch nicht kriminell.
Mich interessiert z.B. überhaupt nicht, was eine Mette Maret aus Norwegen mit Epstein getalkt hat, und auch der tumbe Prinz Andrew gibt mir herzlich wenig. Die Rolle von G. Bush sen. oder Bill Gates dagegen schon mehr …
Doch dazu schweigen die Medien. Umso mehr hören wir gerade von Gates Exfrau. Die Causa Epstein wird zur Sache der Klatschformate, obwohl sie doch höchste Regierungskreise betrifft. Das ist seltsam. 

Und warum wird Epstein immer als Pädophiler bezeichnet? Ist die Pädophilie nicht erst der Anfang, dem noch ganz anderes folgt? Mit den Mädchen und Frauen als Mittel zum Zweck hat Epstein offenbar nicht nur einen weltumspannenden Sexring/Missbrauchsring inszeniert, sondern vielmehr ein von unermesslich vielen Fotos und Videos gestütztes Planspiel der Erpressbarkeit, der politischen Manipulation und Machtausübung in Geheimdienstformat.
Die Botschaft, die von Epstein samt den anderen schlimmen Fingern ausgeht, stimmt wahrscheinlich mit ihrer inneren Überzeugung überein: Wir sind Elite und dürfen über die Stränge schlagen. Gesellschaftlich moralische Grenzen gelten nur für das Fußvolk.
Meine Prognose: Irgendwann wird sich ein Nebel über die ganze Affäre senken wie seinerzeit über den bis heute nicht vollständig aufgeklärten Fall Marc Dutroux, in dessen prozessualem Verlauf 27 Zeugen unter teils mysteriösen Umständen „verstarben“.
Aufregung statt Aufklärung?