Mittwoch. Neueste politische Floskel: Erwartungsmanagement.
Meine Zugverbindung hat mal wieder nicht geklappt, 2 1/2 Stunden Verspätung wg. zwei ausgefallenen Zügen und einem Zug mit technischer Störung. Hektisches Absuchen der Bahn-App nach Alternativen, da sagt der Typ neben mir: Man muss nehmen, was kommt.
Oh? So kann man das auch sehen. Es geht gar nicht um die Bahn, sondern um so was wie Sportsgeist. Wer sich ärgert, ist selbst schuld. Das Erwartungsmanagement der Deutschen Bahn greift voll in mein Mindset.
Ein riesiger Kundenstamm, der nicht erwartet, dass der Zug pünktlich kommt, dass überhaupt einer kommt, der das Warten nicht als Zeitverschwendung, sondern als Sonderform der Meditation umdeutet, der kommt mit 2 1/2 Stunden Verspätung super klar. Es hätte schließlich auch gar nicht klappen können. Enttäuschungen muss vorgebeugt und Erwartungen müssen gesteuert werden. Sonst wuchern sie wild um sich, und wer soll die denn alle erfüllen? Auffällig: Niemand schmeißt seinen Koffer auf die Schienen, schießt in die Anzeigentafeln, stürzt sich vom Bahngleis. Niemand flippt aus, brüllt, schlägt um sich. Das ist Erwartungsmangement.