Mittwoch. So redet doch niemand, sagt M. und schiebt die Kurzgeschichte von Hohler verächtlich beiseite.
Na ja, sage ich, das ist Literatur und kein TicToc-Speach.
Wir lesen ja eher keine Bücher, sagt die zierliche J., die uns vorher anschaulich von ihrem ersten Vollsuff berichtet hat.
Schade, finde ich, es gibt so schöne.
Welche denn, fragt M. So wie er mich ansieht, meint er es ernst.
Es ist nicht so, dass ich gleich ein paar Titel aus dem Bildungskanon raushaue, sogar mit Tschick halte ich mich zurück. Was empfiehlt man einem jungen Mann Anfang 30, der absolut keine Leseerfahrung hat, aber interessiert ist?
Ich selber mag gerade, sage ich zögernd, japanische oder koreanische Romane.
Echt?
Ich bringe euch welche mit. Nächstes Mal, verspreche ich.
Und nun suche ich meine Regale ab, jedenfalls die in Eisenach, und stelle mir die Leute aus dem Kurs vor, die 16 bis 30-Jährigen, und ich will sie natürlich einfangen, so wie Bücher mich einfangen. Ich will, dass mir das wirklich gelingt.
Am Freitag habe ich sie das letzte Mal. Dann machen sie ihre Prüfung, und manche von ihnen sehe ich danach nie wieder.