Mittwoch. Wenn dir auf jedem Bahnhof, egal wo du landest, von sämtlichen Gleisen diese Ausreden entgegendröhnen: wir entschuldigen uns für 50 Minuten Verspätung wegen Arbeiten am Gleis, für 80 Minuten Verspätung wegen vorausfahrendem Zug, für 240 Minuten Verspätung wegen eines gigantischen Meteoriteneinschlages über Stuttgart 21 – wo die Bahn gerade 1000 km, tausend Kilometer, falsche Kabel installiert hat, die nun alle wieder raus müssen, bevor sie ersetzt werden können, weshalb es inzwischen Stuttgart 31 oder 32 heißt – dann stellt sich zwangsläufig dieser deprimierende Gedanke ein: Die Bahn steht symptomatisch für den Zustand unserer Eierrepublik.
Übrigens halte ich mich, da die Verbindung diesmal schon direkt ab Eisenach „nicht gehalten werden kann“, an den Tipp, den ein Mitreisender mir kürzlich gegeben hat: Man nimmt, was kommt. So hangle ich mich, die Anzeigentafeln studierend, weil auf der sagenhaften BahnApp die Verspätungen viel zu spät angezeigt werden, von Bahnhof zu Bahnhof langsam dem Ziel entgegen: Fulda, Frankfurt, Mannheim, Stuttgart, Reutlingen (alle müssen raus), Tübingen. Eine große Reise, man glaubt es kaum: Um 13.30 Uhr los, um 21.50 Uhr am Zielort.
Für den Antrag auf Entschädigung bin ich echt zu müde.