So what

Montag, Tübingen. Und du bist bald wieder in deinem AfD-Ländle, sagt heute eine zu mir.
Da komme ich gerade vom Vorstellungsgespräch und schließe mein Rad vorm Bäcker ab.
Entweder weiß sie nicht, dass Eisenach in Thüringen und nicht in Sachsen -Anhalt liegt, oder sie hält ganz Ostdeutschland für dermaßen lost, dass sich eine Differenzierung nicht lohnt.
Die Sonne ist heute überall aufgegangen, entgegne ich und blitzle in den blauen Himmel. Und erinnere mich an dieselbe Stimmung, als Ramelow Ministerpräsident von Thüringen wurde. Der Kommunismus zieht ein!, wir werden alle enteignet!, schwurbelte es damals durch den medialen Blätterwald. Der erste deutsche Ministerpräsident der Linken wurde ein guter Ministerpräsident, und enteignet wurde niemand. Ich mag das nicht, wenn Sachen mit so einer kranken Intensität verfolgt werden. Das geht mir auch bei Politshows so. Da sehe ich überhaupt nichts mehr, sondern höre bloß noch diese fanatischen Stimmen, die mir genau sagen wollen, was ich jetzt sehen muss. Da bin ich raus. Und was das Vorstellungsgespräch angeht – abwarten. Wieder mal warten. Eine aus dem Kollegium will plötzlich aufstocken, und wenn es eine Interne macht, kriegt die Leitung eine externe Kraft nicht durch. Ich bin die Externe, so ists, so what. Es gibt immer Alternativen.