Sonntag, Diano Marina. Ankommen in unserem Lieblingsurlaubsort ist wie nach Hause kommen. Das Hotel, die Menschen, das Meer lösen eine ganz wilde, fröhliche Freude in mir aus.
Heimat, so viel zu meiner dauerunbeantworteten Frage, hängt (für mich) mit Orten zusammen.
Die innere Heimat, das Schreiben in meinem Fall, was ja praktischerweise überall geht, reicht mir nicht. Es ist vielleicht die wichtigste Heimat, aber nicht die einzige.
Heimat können auch familiäre Orte sein. Zu wissen, dort haben die Großeltern gelebt, dort hat die Mutter auf der Flucht aus einem brennenden Haus die verkohlte Bibel gerettet, die jetzt noch in meinem Bücherschrank steht, dort hat der Onkel gekämpft und ist angeschossen worden, was ihn für das ganze restliche Leben gezeichnet hat – das alles berührt mich, weil es mich an-geht. Es hat mit mir zu tun, es ist Teil meines Innersten.
Für viele Jugendliche ist das Handy Heimat. Es zu verlieren, allein die Vorstellung löst blanke Panik aus. „Mein Handy ist ich“, hat mir kürzlich jemand gesagt. Das Handy zu verlieren, versetzt auch mich in Panik. Nicht, weil ich es so liebe, sondern weil so viel drin ist, was ich brauche. Adressen. Fotos. Erinnerungen. Von Verlust wissen wir ein Lied zu singen, seit die Ahrtalflut alles – wirklich alles – von PM mitgenommen hat. Und doch ist auch Bad Neuenahr / Ahrweiler Heimat, vielleicht eine, die ich mir ausgerissen habe. Die Zukunft, die wir uns dort ausgemalt haben, hat nicht stattgefunden. Dafür hat die Flut uns in eine neue Heimat gespült. Schau’n wir mal …