Koffer

Sonntag. Überall Koffer. Sie stehen in langen Reihen, der ganze Bahnsteig ist voll davon. Viele sehen aus wie mein Koffer. Wie mein verlorener Koffer. Rot mit schwarzem Griff und schwarzen Ecken. Ich dachte, es sei ein außergewöhnlicher Koffer. Hier werde ich eines Besseren belehrt, alle Welt scheint genau meinen Koffer zu besitzen. Bei genauerem Hinsehen ist es aber nie mein Koffer, denn an meinem Koffer habe ich ein Bändchen befestigt, und das hat keiner. Jedesmal, wenn ich nach meinem vermeintlichen Koffer greife, sehe ich, dass es doch ein anderer ist. Ich bitte PM um Mithilfe, auch er soll Ausschau halten. Wir betreten einen anderen Bahnsteig, wieder diese Reihe von Koffern, aber meiner ist nicht dabei. Manchmal kann man durch die offenen Zugtüren Stapel von Koffern erkennen, und auch da entdecke ich mein Koffermodell, aber nicht meinen Koffer. Mein Blick wandert nach oben, eine lange Stahlleiter hinauf, da steht, vor dem penatenblauen Himmel, ein silbernes Flugzeug auf einem Podest. Seltsam, dass man hier so direkt einsteigen kann, in einen Flieger, ohne Rollfeld, ohne Kontrolle. Die Tür des Fliegers steht einladend weit offen, auch hier sehe ich Koffer und wieder meinen Koffer, doch ich weiß inzwischen, dass er es nicht ist. Wir laufen weitere Bahnsteige entlang, es scheint aussichtslos, meinen Koffer zu finden, da sehe ich ihn plötzlich stehen, ganz allein an einer Metallsäule: Mein Koffer mit dem Bändchen. Hier ist er, ich habe ihn gefunden, sage ich zu PM. Wir wundern uns beide sehr, sind wir hier nicht ständig vorbeigelaufen? Als ich aufwache und mit laienhaftem Halbwissen dem Traum auf die Spur zu kommen versuche, meine ich beinahe im selben Moment, sie schon gefunden zu haben.
Was soll ich denn noch lange suchen? Es ist ja alles da.