Plus und Minus – und Plus

Freitag. Ich glaube es selbst kaum, aber letzte Woche in Tübingen habe ich – mit kleinen, schönen Unterbrechungen durch Baby Z. – drei Tage lang geputzt, einschließlich Fenster. Grauenvoll! Das ist der Nachteil meines Lebenskonzepts: Komme ich nach Eisenach zurück, kann ich gleich weitermachen …

Der Kanzler „erlaubt“ Arbeitgebern, ihren Angestellten 1000 € steuerfrei zu schenken, als Ausgleich für die abartigen Spritpreise. Das Ganze nennt sich Entlastungsprämie, und man fragt sich, warum die Arbeitgeber die Suppe, die uns die Regierung durch hartnäckiges Wegsehen vom Elefanten im Raum einbrockt, auslöffeln sollen.

Man rettet sich in Galgenhumor. Man denkt ja immer, schlimmer kann es nicht kommen, und dann sieht man, man hat sich getäuscht. Entlastungsprämie, Tabaksteuer erhöhen, überhaupt Steuern erhöhen, mehr fällt dem Kanzler und seiner Brigade nicht ein, und gleichzeitig meldet jetzt sogar so eine super Traditionsfirma wie Bosch alarmierende rote Zahlen. Wo sind eigentlich die 500 Milliarden Sondervermögen geblieben? Hat nur scheinbar nichts damit zu tun. Die unwissende, aber interessierte Bürgerin fragt sich, ob alle vereinten Kräfte der (arbeitenden und zahlenden) Bevölkerung nur noch dazu dienen, der Ukraine, sprich der Aufrüstung, den roten Teppich auszurollen. Darauf scheint sich die gesamte wirtschaftliche Macht zu fokussieren, und ich habe so das Gefühl, das geht ja an meinen Interessen vollkommen vorbei.

Herr Kiesewetter ist in seinem Element: KRRRRIIIIIIEG! Und die Deutschen sollen sich bitteschöne jetzt auch im Iran beteiligen. „Verantwortung übernehmen“, nennt er es. Verantwortliche Kriege – ein Oxymoron wie alter Knabe, Schwarze Milch, Sachliche Romanze, Krieg ist Frieden – wie George Orwell in seinem Roman 1984 die scheinheilige Rhethorik einer autoritäten Regierung der nahen Zukunft hellseherisch vorweggenommen hat.

Das wunderschöne tiefe Penatenblau des Himmels und davor das helle Grün der Linden und Buchen um unser Haus in Eisenach, die herabrieselnden weißen Blüten einer Art japanischen Kirsche, die Forsythien und knospenden Magnolien – man könnte für ein paar Minuten die Realität vergessen.

Gestern brachten uns zwei liebenswerte Menschen Bärlauchpflanzen aus ihrem Garten. Die kommen ins Hochbeet. Den Tag davor haben wir mit zwei anderen lieben Menschen M. und U. (dem Zahnarztehepaar, das meinem Schüler Mike seine ausgeschlagenen Zähne kostenfrei ersetzt hat) den Tag ausklingen lassen: Bei einem guten Getränk im Berghotel und einem guten Bärlauchrisotto (!) und dem wahrhaft atemberaubenden Panoramablick auf die Wartburg hat jeder so seinen Gedanken nachgehangen, bis U. sagt: Was haben wir es gut.

Ja, sie hat recht. Manchmal muss man / ich allen Schrott beiseite schieben und dankbar sein.

Heute Abend sind wir auf ein Geburtstagsfest bei P. eingeladen, die habe ich bei B. kennengelernt und ich mag sie sehr. B. mag ich auch sehr. Ob wir doch langsam hier ankommen?