Sonntag, Tübingen. 100.000 in München, 70.000 in Köln … in allen Städten treibt der Kampf gegen rechts und für eine offene Gesellschaft Hunderttausende auf die Straßen. Tausende auch in Jena, Halle, Erfurt und Leipzig, angeblich die größten Kundgebungen seit der Wende. Bin sehr froh und erleichtert darüber. In letzter Zeit quält mich oft so ein depri Zukunftskopfkino, was die Stabilität unserer Demokratie und unsere individuellen Freiheiten angeht. In Russland verschwinden über Nacht Menschen, in Saudi Arabien und im Iran werden Straftäter*innen und Religionskritiker*innen öffentlich verprügelt und hingerichtet, in China werden Menschen wg. Fehlverhaltens sanktioniert oder direkt kaltgestellt. Ich will nichts
WeiterlesenKategorie: 2024
Salat mit Ziegenkäse
Mittwoch, unterwegs. 30 min zu spät fährt er in Eisenach ein, Grund: Reparaturen am Zug. Komisch, nicht Wintereinbruch? Wegen dem wird doch schon seit Tagen Panik geschoben. In Frankfurt dann: Zug nach Stuttgart fällt aus, laut BahnApp auch gleich noch die drei Folgezüge. Grund: Wintereinbruch, na also. Zum ersten Mal im Leben steige ich ohne Stress aus. Der überüberüberübernächste Zug Richtung Süden geht erst in 1 1/2 Stunden. Die muss ich jetzt irgendwie totschlagen. Weil eisige Schneeböen über die Bahnsteige fegen, suche ich mir einen Platz im Wirtshaus ganz am Ende des langen Frankfurter Bahnhofs, den ich übrigens wunderschön finde.
WeiterlesenVon Demos und Pfeifkonzerten
Montag, Eisenach. Noch nie gab es so große und gleichzeitig so disziplinierte Demonstrationen wie die Bauerndemos, die mit ihren endlosen Traktorschlangen und -aufzügen nun schon das 2. Wochenende in ganz Deutschland den Verkehr in den Städten lahmlegen. Sogar auf die Wartburg rücken sie an, nachdem sie hupend & blinkend durch Eisenachs Hauptstraße gezogen sind. Umfragen belegen, dass 90% der Bevölkerung hinter ihnen stehen, doch die Ampel weiß nichts Besseres zu tun als den Bauern rechtsextremistische Unterwanderung zu unterstellen. Wie sehr solche Behauptungen an den Haaren herbeigezogen sind, zeigt sich besonders an der Verärgerung, die sie hervorrufen: Nicht nur, dass das Framing
WeiterlesenUnsichtbar in den Medien …
deshalb von X: „Sozialdemokraten in der Tradition von Willy Brandt und Helmut Schmidt sind in der SPD heimatlos geworden.“ Der Abschiedsbrief des Düsseldorfer Ex-OBs hat es in sich. Er geht zu Wagenknecht. Mehr bei @FlorianSchillat und @nurnelo hier:https://t.co/hLdscCP9wo pic.twitter.com/RmKCk4VwXk — Veit Medick (@vmedick) January 4, 2024
WeiterlesenÄpfel und Birnen
Dienstag, Eisenach. Als ich von der Arbeit komme, wartet A. schon im Café auf mich. Sie überreicht mir eine minikleine Schultüte. Die hat sie bei Hussel gekauft. Die Verkäuferin sei besorgt gewesen: Lauter alkoholhaltige Pralinen habe sie da ja ausgewählt! Ist für meine Freundin, die tritt heute ihren Schuldienst an, hat A. sie beruhigt. Wir sitzen in der Sonne und stellen Vergleiche an. Das ist, wie Äpfel mit Birnen vergleichen, sage ich und erschrecke im selben Moment. Das war immer so ein saudämlicher Spruch von einem, an den ich nie mehr denken möchte (und es tatsächlich selten tue). In seinem
WeiterlesenDas Lied vom Tod
Dienstag. „Ich, Ennio Morricone, bin tot.“ Die letzten Zeilen des sterbenden Musikgenies und zweifachen Oskar-Preisträgers, die wir heute der Presse entnehmen durften, machen Gänsehaut, so anrührend sind sie. Morricone verabschiedet sich darin von Freunden und Familie und ganz besonders von seiner Frau Maria, mit der er seit 1956 verheiratet war. Bei einem der vielen Kindergeburtstage der Kamener Pfarrersfamilie Szameit saß ich unterm Esstisch und wartete darauf, entdeckt zu werden. Wir spielten Verstecken im Dunklen, und eigentlich hoffte ich inständig, ganz lange nicht entdeckt zu werden. Die Dunkelheit war umfassend. Als würde ich unter einer Decke stecken, sah ich nichts in
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