Freitag, Tübingen. Seit zwei Tagen tue ich nichts. Muss das scheinbar erst lernen. Ich tue sonst nie nichts. Arbeit ist mein zweites Glaubensbekenntnis. Ich schaue Harry und Sally, Ein Chef zum Verlieben und French Kisses. Mir ist alles wunderbar egal (beginne das Wort runterkommen zu verstehen). Ich treffe mich mit meinen beiden Lieblingsfamilien, mein lieber T. mit Baby Z., und aus Köln meine liebe L. und das Lchen und das Tchen. Letztere sind gerade in Tübingen, wohnen aber beim Vater. Die Traurigkeit wegen der Kompliziertheit von Patchworkfamily, insbesondere unserer Patchworkfamily, wegen der Sehnsucht nach den liebsten Lieblingsmenschen, die diesmal in einer anderen Wohnung lachen und spielen und pennen, verschwindet erst heute mit gemeinsamem Stadtbummel und Eisessen. Ein bisschen Zeit zum Reden ist auch noch. Ich lese ein wunderbares Buch, Heim schwimmen von Deborah Levy: Der Einstieg eine Steilvorlage, der Stil sparsam und souverän, in der Kombination schaffen das nur die wenigsten. Telefoniere mit PM, der vergrippt in Eisenach im Bett liegt. Im Aufzugspiegel entdecke ich einen langgezogenen Fettfleck auf meinem Pullover. Kann mich nicht erinnern, dass mir das schon mal passiert ist. Ich esse wenig, probiere mein für die PEN-Tagung erworbenes Outfit von Kultlabel Baum und Pferdegarten, das auf einen pastellfarbenen Paillettenrock aufbaut, ich bin zufrieden damit, aber eigentlich ist mir auch das egal. Nachts trinke ich einen Ouzo und falle ins Bett.