Donnerstag, Tübingen. Den Fall Sven Hüber kann man nicht einfach stehen lassen.
Hier sind gleich mehrere unerhörte Ereignisse zusammengefallen. In die Öffentlichkeit lanciert, um der bedrohlichen AfD einen Fallstrick zu legen, erweist sich die Affäre, wie so oft schon, als ein finaler großer Dienst an die AfD.
Sven Hüber ist Vize-Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, das muss man ja erstmal wissen. Vor wenigen Tagen sorgte er für Erstaunen, Irritation und auch Wut, indem er sich mit einem Aufruf der Befehlsverweigerung an alle PolizistInnen im Falle einer AfD-Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt in die Schlagzeilen brachte. Gleich zum Downloaden mitgeliefert wurde eine Anleitung mit möglichen Begründungen zwecks Dokumentation der Verweigerung.
Auf die Weise in den Fokus des öffentlichen Interesses geraten, fragten sich investigativ arbeitende Journalisten – leider keine von den Leitmedien –, wer denn dieser Hüber eigentlich sei, woher er komme und wo seine Laufbahn ihren Anfang genommen habe. Und siehe da – Apollo News wurde fündig:
Der Gewerkschaftsboss, dem offensichtlich so was wie eine Gesinnungspolizei vorschwebt, war zu DDR-Zeiten SED-Politoffizier der Grenztruppen in Ostberlin. Ein Gesinnungsoffizier also, der im DDR-Militär für die ideologische Linientreue der Soldaten zuständig war. Hüber war maßgeblich daran beteiligt, den Schießbefehl an der innerdeutschen Grenze durchzusetzen. Grenzsoldaten, die genauso alt waren wie er, hat er dahingehend indoktriniert, wie geschossen wird und wie mit Befehlsverweigerern umzugehen sei. Nämlich mit öffentlicher Degradierung und fünf Jahren Knast. So geht das, wenn man nicht gehorcht.
Die brutale Realität des Schießbefehls an der Grenze offenbart sich in dem Zitat: „Genossen Soldaten, wie viele Schüsse gibt ein Grenzsoldat mindestens ab? Es sind zwei. Im Zweifel ist der zweite Schuss der Warnschuss.“
Der Satz geht auf DDR-Verteidigungsminister Heinz Hoffmann zurück, der ihn vor Grenzsoldaten der NVA rausgehauen haben soll. So konnte der pflichtbewusst tötende Soldat im Nachhinein behaupten, die vorgeschriebenen zwei Schüsse eingehalten zu haben, wenn auch in der verkehrten Reihenfolge.
Das Töten bzw. „Vernichten“ von „Grenzverletzern“ war Hüber eine Herzensangelegenheit. Einem gefangengenommenen und am Boden fixierten Mauerflüchtling steckte er im Beisein der Grenztruppe seine Pistole in den Mund und trat ihm mehrmals ins Gesicht. Damals muss er Anfang 20 gewesen sein. So jung und schon so zynisch? Das finde ich das Erschreckendste an der Geschichte, und genauso erschreckend ist, wenn der Biographie eines Polizei-Gewerkschaftsfunktionärs so wenig nachgegangen wird.
Schade, wirklich schade, dass wir dafür die alternativen Medien brauchen. Und zitieren müssen!
Hüber ist inzwischen von seinem Amt zurückgetreten. Nicht ohne zu lamentieren, dass ihm schweres Unrecht durch Rufmord zuteil werde. Auch noch ohne Einsicht. Von Reue ganz zu schweigen. Was für ein übler Dreckskerl.