Freitag. Strange: Der Wecker klingelt, dass ich pünktlich an meinem Esstisch eintreffe – Standort Laptop. Wie jeden Corona-Morgen schalte ich ein und starte sechs Stunden entseelten Pseudounterricht. Entstanden sind die heute Nacht bis in die Morgenstunden. Das dauert nämlich, bis so eine digitale Doppelstunde im Kasten ist. Langsam werde ich blöd dabei. Beim Einschlafen sehe ich Klicks und Buttons aufblitzen, beim Aufwachen sind sie immer noch da. Mann, wie ich die Normalität vermisse. Wie ich MENSCHEN vermisse!
Mecki schreibt fleißig Beschwerde-Mails an alle möglichen Politiker. Doch wir jammern auf hohem Niveau. Wir arbeiten 13, 14 Stunden am Tag bzw. in der Nacht, sind aber wenigstens finanziell abgesichert.
Was anderes ist das mit den durch Corona befeuerten digitalen Anforderungen. Noch nie bin ich mir so unfähig vorgekommen. Meine Inkompetenz wird mir stündlich, halbstündlich, viertelstündlich vor Augen geführt. Ich hechle hinterher und schaffe es doch immer nur gerade so. Souverän ist was anderes. Dystopisches Szenario: Hätten wir schon die Zustände aus 1984 – dass sie kommen, bin ich mir sicher – würde ich bald zu den Proles gehören, zu den Restkräften, die irgendwie auch noch da sind. Digitalisierung heißt gnadenlos aussieben. So wie aktuell die Alten, die versuchen einen Corona-Impftermin zu ergattern und an der Online-Anmeldung scheitern. Und raus bist du! Das macht mir jetzt schon Angst. Ich versuche solche Vorstellungen wegzudenken. Ich kann viel, davon bin ich bisher jedenfalls immer ausgegangen. 30 Lernende haben ihre Arbeiten auf die Moodle-Plattform gestellt, sie warten auf ein Echo, das werde ich jetzt geben (bevor die nächsten 30 kommen), während sie Hobbes und Rousseau beackern.
Ist das noch irgendwie relevant? Grundsatzzweifel an meiner Arbeit, immer häufiger …
Meine Waschmaschine hat den Geist aufgegeben. Seit dem Erdbeben vor ein paar Wochen haben einige Wände und die Wohnzimmerdecke Risse bekommen, ein Gutachter checkt das nächste Woche. Pakete müssen weggebracht werden. PM kommt heute Abend, und der Kühlschrank ist leer.
Leben!, du versickerst in diesem Corona-Moodle-Schwachsinn, und nichts passiert, was irgendeinen Belang hätte …