Donnerstag, Eisenach. Ich war schon einmal in Weimar. Das war 2005. Seltsam, wie anders man die Umgebung wahrnimmt, wenn ein anderer Mensch dabei ist (und atmosphärische Störungen auch das Hinsehen & Hinhören stören).
Diesmal ist der richtige Mensch dabei, und Weimar ist friedlich und bunt. Die Leute regen sich nicht auf, wenn ihnen jemand im Weg steht oder wenn Radfahrer sich auf dem Gehweg durchschlängeln. Es gibt viel zu wenig Fahrradwege im Osten, eigentlich fast gar keine, aber das nur nebenbei. Auch diesmal möchte ich ins Schillerhaus. Wie damals erfreue ich mich an des Dichters Leidenschaft für modische Tapeten und Einrichtungsgegenstände: Die Tapetentür im Arbeitszimmer mit dem original Schiller-Schreibtisch (Gänsehaut!), dahinter sein schlichtes Schlafkabinettchen …
PM findet das auch alles sehr interessant. Wir haben unsere Kopfhörer auf und arbeiten uns gemeinsam bis zur Dachstube vor. PM hat vorher schon mit Frieder ein BoWu auf dem Marktplatz genossen, nachdem dieser ihm das Für und Wider der drei BoWu-Stände verklickert hat.
Die BoWu ist eine thüringische Wissenschaft, da kann nicht einfach jede(r) mitreden.
Anschließend zeigt Frieder uns seine Kirche und sein Zuhause und abends seinen Garten. Der liegt etwas außerhalb und ist wie ein Miniparadies mit einem richtigen kleinen Haus, in dem man kochen und übernachten kann. Eine Datscha also, im Luxusformat. Katrin hat Salat gemacht, Frieder legt frisch gefangene Forellen auf den Grill. Der Sohn kommt auch noch vorbei, erkundigt sich nach unserem Bücherschrank, den er erst kürzlich bei uns aufgebaut hat. Wir quatschen bis in die Nacht rein, die ist lau und sternenklar. Die Mücken stechen durch die Kleider und hinterlassen riesige Einstichstellen. Komischerweise nur bei Katrin und mir.
Wir kommen wieder, soviel ist mal klar.