Im Zug

Zwischen EA und TÜ. Ich schnappe mir einen der beiden für DB-Vielfahrer vorbehaltenen Plätze. Wenn hier eine richtig viel fährt, dann ja wohl ich, auch ohne  Bahncard 100. Befinde mich auf dem Weg nach Tübingen, wo das „Amt“ ruft. Es ruft nur noch leise, zwei Tage die Woche. Was für eine Wohltat! Der innere Abstand wächst zunehmend, je mehr die Arbeit am Buch zunimmt.
PM und ich, wir waren fleißig in den letzten Tagen. Stundenlanges Schrubben, jede der 72 Marmorfliesen einzeln mit Spatel und Topfschwamm vom jahrzehntealten Dreck und Bohnerwachs befreit. Danach waren sie drei Nuancen heller. Was für eine Überraschung!
Langsam wird es wohnlich. Viel Arbeit, die aber Spaß macht. Am Abend stellt man sich in die Tür und spürt den Erfolg als ein warmes Rieseln im ganzen Körper.
Mein Koffer ist ganz prall, passt kaum noch zwischen die Sitze. In Eisenach war ich shoppen, ein paar giftgrüne Teile und eine schwarze Lederjacke. Es gibt da genau diesen einen Laden. Was für eine Auswahl!
Calla Henkel ist die Königin des Vergleichs. Ihr Debutroman Ruhm für eine Nacht fesselt mich schon seit Tagen mit seiner Bilderflut. Kleine Kostprobe:
„Die Beleuchtung bestand aus einer Reihe spinatgrüner unter Satellitenschüsseln festgeschraubter Glühbirnen, in deren Licht die hölzernen Barhocker wie widerspenstige Quallen wirkten.“
„Ohne Vorwarnung überfiel mich ein heftiger Orgasmus – wie ein Sonderkommando der Polizei, das eine Vorstadttür sprengt.“
Ein wilder Krimi und Partyroman. Fährt unter feministischer Flagge – ohne Genderspeach.