Dienstag. Der „Harry-und-Sally“-Regisseur Rob Reiner und seine Frau sind ermordet worden. Die Nachricht hat mich schon am Sonntag schockiert. Dann aber hieß es ziemlich schnell, ihr Sohn habe es getan, und der Schock war noch viel größer.
Die Reiners haben vier Kinder, drei eigene und eine Adoptivtochter aus Reiners 1. Ehe. Sie waren eine sog. Vorzeigefamilie, talentiert, charismatisch, kreativ, sozial, politisch engagiert, integer, aber wie in jeder (Vorzeige-)famlie gab es auch in dieser Familie ein schwarzes Loch – ihr Sohn Nick.
Nick Reiner sei mit seiner eigenen Mittelmäßigkeit gegenüber dem hochtalentierten Vater nicht zurechtgekommen, heißt es. Das Schicksal vieler Kinder von begabten und berühmten Eltern. Es folgen: früher Drogenkonsum, Leben als Obdachloser, Streitigkeiten und mehrere Versuche, den Graben durch gemeinsame Projekte zu überwinden.
Beim gemeinsamen Interview anlässlich eines dieser Filmprojekte sieht man die liebevolle Zugewandtheit des Vaters. Was denkt eine Mutter, ein Vater, wenn der eigene Sohn mit dem Messer auf sie zukommt? Ich habe ein Monster geboren? Was haben wir falsch gemacht? Mein armer, armer Junge? Was denkt ein Sohn, der ein Messer in das Herz der Mutter, des Vaters rammt? Endlich bin ich allein? Ich versuche mir das auszumalen, und das Loch wird in meiner Vorstellung unfassbar groß. Die Tochter Romy Reiner hat die toten Eltern in ihrem Haus gefunden. Sie hat die Polizei auf ein „gefährliches Familienmitglied“ hingewiesen.
Das Grauen im eigenen Sohn zu finden, etwas Schlimmeres kann ich mir nicht ausmalen.