Klammheimlich

Donnerstag, Tübingen. Der Krieg bombt die Menschenrechte nicht in den Iran rein, und der Sohn des getöteten Ajatollah Chamenei wird sein Nachfolger. Ach du Scheiße, alles umsonst?

Abends Schreibwerkstatt bei mir zuhause. Natürlich gehts hoch her wegen des Krieges im Iran. In Tübingen ist man sich einig, das Palituch hat Hochkonjunktur, und die Querfront Linke-Islamisten hat sich gemütlich eingerichtet.
Trotzdem wird mich niemand dazu bringen, abfällig über Israel zu sprechen. Da halte ich es mit Ferdinand von Schirach und bin, aus historischen wie familiären Gründen, ganz einseitig und solidarisch. Denn seien wir ehrlich: Das „Nie wieder“ franst gerade ziemlich aus. Jüdische KünstlerInnen werden hemmungslos gecancelt, zu einem Nichts erklärt. Es sind linke Kunstschaffende, die sich hier eindeutig diskriminierend und rassistisch positionieren. Und natürlich bleibt die Ablehnung nicht auf KünstlerInnen beschränkt, sondern sie bezieht sich auf alle Menschen aus Israel, auf Jüdinnen und Juden.
Sorry, bei Mördern (Hamas) und Opfern (Juden) kann und möchte ich nicht neutral bleiben. Es sind die von Iran unterstützte Hamas, die von Libanon unterstützte Hisbollah und an erster Stelle der Iran selbst, die das Existenzrecht Israels bestreiten. Seit 1979 gehört die Auslöschung Israels zur Staatsdoktrin des Iran.
Der israelische Angriff hat seine Ursachen, er ist nicht die Ursache. Soviel lernt man im Kleinen bei jedem Streit und jeder Konfliktlösung. Der Nahost-Konflikt trennt nicht nur Länder, sondern Freunde und Familien. Die Linie geht sozusagen mitten durchs Tischtuch. Seltsam, dass diese gerechtigkeitskämpferische Leidenschaft bei der Beurteilung anderer geopolitischer Konflikte so gar nicht glüht. Genau darin sehe ich an vielen Esstischen & Stammtischen den klammheimlichen Antisemitismus wiederaufleben.