Corona Diary / Regeln

Samstag. Am Abend kommt PM. Kommt rein und hält den Sicherheitsabstand ein. Was soll das?, frage ich. Ich fühle mich dermaßen abgewiesen, dass ich schnell die Treppe hochgehe. Er möchte den Schutz, den T. um mich aufgebaut hat, nicht auf einen Streich zunichte machen. Aha. Nebeneinander, mit 1,5 Meter zwischen uns, stehen wir da und halten uns am Geländer fest. Die Stimmung ist im Eimer. Im Kopf ist das Argument angekommen, das Herz erreicht es nicht. Ich habe gekocht, Ratatouille mit Süßkartoffeln und Veggie Cevapcici. Schmeckt gut, bis auf die Cevapcici. Die sind ungenießbar. Ich hole das Geschenk hoch, aber PM meint, das packe er lieber erst morgen aus. Er kann sich im Moment nicht freuen, er ist genauso ratlos wie ich. Damit haben wir beide nicht gerechnet: Wie verhält sich ein Paar in der Coronakrise, das nicht zusammenlebt? Bisher nach Vorschrift. Toll, was für ein Wochenende. PM steht die Angst bis oben. Um seine Klinik. Aber auch sonst. Wann kommt der Sturm?, keiner weiß das, doch er kommt noch, ist sich PM sicher. Kaum Operationen, die Betten müssen freigehalten werden. Auch ein finanzielles Desaster. Ich hole das Scrabblespiel rauf. Scrabble?, also gut. Wir spielen eine Runde, die Anspannung weicht. Schie? Hallo? Ich hole den Duden: No chance, sage ich. Ist doch egal, sagt PM. Wir stellen unsere eigenen Regeln auf, lassen Schie durchgehen. Und Eigennamen. Und Abkürzungen. FH. TH. OU. Ist das schon Anarchie jetzt?