Donnerstag, Tübingen. In der Tübinger Stille, zwischen Freundetreffen und Schreibwerkstatt (wunderbare Texte wieder), reflektiere ich, dass ich langsam erst lerne, mich selbst ernst zu nehmen.
Mich wichtig zu nehmen. Ist ja eher negativ konnotiert, wenn sich jemand wichtig nimmt. So als sei das ein Manko oder ein Hinweis darauf, dass man Ambitionen hegt, die die eigentlichen Fähigkeiten übersteigen. So als sollten die Hoffnungen auf die eigene Entfaltung oder das eigene Wachsen als anmaßend entlarvt werden.
Frauen, die sich selbst ernst nehmen, werden gerne demontiert. Lächerlich gemacht in ihren Ambitionen, in ihren Hoffnungen an sich selbst. Mich hat mal einer, nachdem er sich auf einer Party an mich rangewanzt hatte, gefragt, ob ich denn meine Texte so gut finde, dass ich sie an Verlage schicke.
Allein die Fragestellung war so daneben, so falsch, nicht nur wegen der triefenden Hinterhältigkeit, dass ich einfach weitergegangen bin. Das heißt auch Wachsen: Grenzen ziehen. Die Frage hatte meine Grenze überschritten, sie zeigte Dummheit und Nichtwissen in einem Ausmaß, das es mir den Magen umdrehte.
Natürlich habe ich Angst. Die Umwandlung von Denken in Sprache ist ein Akt der Selbstoffenbarung, und die macht angreifbar. Meine Worte in den öffentlich zugänglichen Raum zu entlassen, ist gefährlich, aber Gefahr ist ja immer auch Reiz. Wenn ich mich dieser Gefahr nicht aussetzte, könnte ich nicht kommunizieren. Und die Kommunikation mit meiner Umwelt, mit den Menschen, der Natur, mit Einrichtungen und Gesetzen, der Kunst, dem Menschengemachten, das ist es doch, worauf Schreiben abzielt. Meins jedenfalls.