Corona Diary / Geld

Pfingstsonntag, B.N. Langsam normalisiert sich das Leben. Die Kneipen haben wieder geöffnet, dürfen allerdings nur in 1,50 m Abstand besetzt werden, was bedeutet, dass die Hälfte der Tische raus bzw. leer stehen muss. Gestern Abend im Bell’s war es schon wieder fast wie früher. Großes Hallo und Wiedersehen nach über zwei Monaten Stillstand.
Übermorgen gehts nach Tübingen zurück: T. und E. heiraten. Sie ist es jetzt also! Leider spricht sie außer Italienisch, was ihre Muttersprache ist, nur Englisch, sodass unsere Kommunikation etwas eingeschränkt ist. In den nächsten Tagen gehen wir zusammen shoppen, darauf freue ich mich sehr. Vor lauter Lockdown und Arbeit an ihrer Promotion hatte sie bisher kaum Gelegenheit, sich um das passende Outfit zu kümmern. Auch sonst gibt es noch einiges vorzubereiten. Fantastische Hochzeitsanzeige: T und E unter Wasser tauchend von hinten aufgenommen, T’s einer Arm ragt über den Bildrahmen hinaus, harmonisch abgestimmt mit dem Schriftsatz, da merkt man den professionellen Graphikdesigner. E’s Eltern können nicht kommen, weil die Grenzen noch dicht sind, und wie es bis jetzt aussieht, sind nicht mal Trauzeugen zugelassen, da nur vier Personen gleichzeitig im Raum/Standesamt sein dürfen. Eine davon ist die Dolmetscherin.
Im „Amt“ wird es auch nach Pfingsten stark reduziert weitergehen, letzte Woche kamen die neuen Pläne. Halbierte Lerngruppen mit regulärem Unterricht in den Kernfächern für die oberen Klassen, alle anderen werden gedrittelt und wechseln sich mit Präsenzunterricht und Online-Unterricht ab. Zweier- und Dreierabfolgen im Wochenturnus – das Chaos ist vorprogrammiert. Manchmal kommen die Aufgaben mit anrührenden Nachrichten versehen zurück, dass sie einen vermissen und so, das wärmt mir das Herz, ich vermisse sie genauso. Ich sehne mich nach der Begegnung mit Menschen statt mit meinem Rechner. Die Chefetage meint allerdings, dass uns diese Form noch bis Sommer 2021 erhalten bleibt. Blanker Horror! Unter vielem anderen fehlt mir die Bewegung, das tägliche Treppauf, Treppab statt endlosem Sitzen vor dem PC. Den Kolleg*innen geht es genauso, ich würde sagen, nur die wenigsten in unserem Job verfügen über die Tauglichkeit für Homeoffice.
Die Corona-Regeln sind jetzt Ländersache, das ging sang- und klanglos, nachdem die Chefs von NRW und Bayern auf eigene Faust Lockerungen eingeführt hatten, die mit Merkel nicht abgesprochen waren. Hier in Rheinland-Pfalz sind die Kinos und Theater schon wieder geöffnet, während wir uns in Ba-Wü mit dem Kulturkonsum noch gedulden müssen.
Wenigstens konnte ich die Kölner mal wieder sehen, drei Tage waren sie hier, das L.chen und das T.chen – das reine Glück. Die Kitas haben immer noch geschlossen, man fragt sich, wie junge Familien die virusbedingte Umstellung ihres Alltags bewältigen. Doch irgendwie geht es immer.
Mit dem größten Hilfspaket der Geschichte Deutschlands hält der Staat nicht nur Großkonzerne wie TUI oder Lufthansa am Laufen, sondern unterstützt durch Sofortmaßnahmen Familien mit Kindern, von Kurzarbeit Betroffene, Kleinunternehmer und Freiberufler. Ca. 1,8 Billionen Euro umfassen die Staatshilfen – die Coronakrise wird für Deutschland teurer als die Wiedervereinigung. Wer das zurückzahlt, das fragt man sich besser erst, wenn die Krise vorbei ist.