Die Irm und der Rainer W.

Donnerstag. Irm Hermann ist gestorben, und auf SWR kam die Fassbinder-Doku von Annekatrin Hendel aus dem Jahr 2015 mit vielen Szenen aus seinen Filmen. So viele Erinnerungen! Am prägnantesten: Wie der nackte Fassbinder im Schneidersitz telefoniert und sich am Sack kratzt, während er über Mogadischu und Stammheim und den Tod oder die Ermordung der RAF-Terroristen redet.
Wie ekelig, dachte ich damals, ich war viel zu jung und hatte den Zusammenhang zwischen der – in diesem Fall sehr unästhetischen – Nacktheit und dem Gespräch nicht verstanden. Die Hässlichkeit war die Hässlichkeit des Staates, der immer noch faschistische Züge trug – mit seinen Mitteln hat Fassbinder in dieser ikonographischen Szene aus Deutschland im Herbst die deutsche Gegenwart gedeutet und damit, wieder einmal, Filmgeschichte geschrieben.
Allein 1978 hat er vier Filme gedreht, hat Unmengen gekokst und gesoffen, um den Turbogang aufrecht zu halten. Bis zum Schluss. Davon erzählen u.a. eine abgeklärte Irm Hermann und eine immer noch sehr traurige Margit Carstensen: Dass Fassbinder zu jeder und jedem seines Stabs eine intensive private Beziehung aufgebaut habe, die auch vor Grausamkeiten und sadistischen Spielchen nicht Halt gemacht habe. So hatten sie alle nach seinem plötzlichen Tod mit sich und ihrem neuen Leben ohne Fassbinder zu kämpfen. Über einem angefangenen Filmmanuskript über Rosa Luxemburg war er zugedröhnt, sterbend und aus dem Mund blutend zusammengebrochen.
Als ich Gisela Getty für Lass uns über den Tod reden interviewt habe, in ihrer Wohnung in Schwabing, sprach sie von der magischen Faszination, die Fassbinder auf Hermann und die anderen Schauspieler*innen ausgeübt habe. Die Irm sei eine Zeitlang auch bei den Frauen um Rainer Langhans gewesen.
Den ich ja leider nicht kennengelernt habe …