Aperitif

Samstag. Wenn PM da ist – und er ist da, weil ich wg. aktueller Zusatzarbeit nicht fahren kann – dann gibt es diese Momente, in die ich gern einen Nagel schlagen und sie mir inwändig ins Herz hängen möchte.
Mit nichts auf der Welt lassen sie sich festhalten, schon klar. Ein bisschen dehnen, vielleicht; aber damit schon wieder vom Vergehen kontaminiert. Sie abspeichern im Kostbarkeiten-Ordner und irgendwann, beim Kartoffelschälen, anklicken. Oder beim Einschlafen. Auf ihrem Glitzern dem Traum entgegengehen: Wie morgens die Sonne in seinen Augen Funken schlägt und am Abend, in einem letzten Farbenrausch hinter dem Klinikberg versinkend, wie zufällig seine Haut streift. Das gibt mir einen Stich. Ich weiß genau, Sonne, was du jetzt fühlst.

Seit ca. acht Monaten das erste Mal wieder im Ludwig’s. Ohne Coronatest – einfach hinsetzen und einen himbeerroten Aperitif bestellen und in das Penatenblau des Himmels und den vorbeiziehenden Menschenstrom blinzeln. Cafés und Restaurants sind genauso geöffnet wie Geschäfte und Kinos. Ich habe mir einen scharf geschnittenen Godet-Rock gekauft, der ist auch himbeerrot und schwarz gefleckt und liegt in der Tüte auf dem Stuhl neben mir und wartet. Ich warte auf nichts. Es ist alles da. PM ist da, mir kann nichts passieren. Endlich ist Sommer, nachdem noch gestern meine Terrasse weiß von Hagelkörnern und grün von abgerissenen Ästen war. Für einen Moment ist alles möglich, ich hatte ganz vergessen, wie sich das anfühlt.