Links

Freitag. Fange jetzt wieder das Linksschreiben an. Nach drei Wochen Fehlen im „Amt“, ohne dass sich großartig was gebessert hätte, muss ich mir was einfallen lassen. Klappt erstaunlich gut. Vor Jahrzehnten wurde es mir ausgetrieben, doch das Potenzial schlummerte nur. Es geht ziemlich langsam. Die Kids gucken zu und behaupten, sie könnten es jetzt besser lesen als vorher. Sie sind sehr freundlich. Sie freuen sich, dass ich wieder da bin. Das finde ich ganz rührend. Vielleicht, weil ich alles so mache wie immer und sie nicht drangsaliere. Ich höre mir gern ihre Geschichten an. Sie sagen manchmal erstaunliche Sachen. Sie fragen, ob mein Ring echt sei – mein fetter Klunker von Pylones, den ich an meiner bandagierten Rechten trage. Ich sage, wenn der echt wäre, bräuchte ich nicht mehr zu arbeiten. Wollen Sie reich aussehen?, fragt Joschua und guckt mich sehr ernst an. Dafür liebe ich sie. Für ihre Ernsthaftigkeit. Für ihre Aufrichtigkeit, die mich aufrichtig sein lässt. Das macht die guten Vibes. Ich sage, dass ich aber sehr gerne arbeite. Sie nicken und lächeln, das scheint sie zu freuen. Ich schreibe weiter mit links, und sie sind ganz leise und schreiben alles ab. Corona hat sie so leise gemacht und so widerstandslos, das schnürt mir die Kehle zusammen. Und dann zeige ich ihnen noch was Neues, und jetzt wird es doch laut: Boah! Linksschreiben in Spiegelschrift. Und das geht sogar richtig schnell –
Bis zum nächsten Mal schreibt jeder seinen Namen. Und eine Linksgeschichte: Mit links natürlich! Und spiegelverkehrt …