Samstag. Ich lese (fast) nur noch japanische Autorinnen. Warum? Durch Zufall stieß ich auf Kitchen von Banana Yoshimoto, das ist schon ein paar Jahre her – und war fasziniert von der Leichtigkeit, Uneitelkeit, Genauigkeit ihres Erzählens. Die Gegenwart erscheint immer irgendwie durchlässig, und dahinter leuchten Optionen auf, von denen die Protagonist*innen (und Leser*innen) nur ahnen.
Vergleichbare Literatur gibt es bei uns nicht. Das macht auch nichts – offenbar unterscheidet sich die moderne japanische Gesellschaft viel weniger von unserer, als ich vermutet hätte. Die Frauen sind emanzipiert, gehen ihren eigenen Weg und spinnen ihre eigenen Gedanken und Pläne.
Mit dem Kultbuch Amrita als Höhe- und Endpunkt habe ich nun das recht umfangreiche Gesamtwerk von Yoshimoto durch. Ich hoffe sehr auf Nachschub! Dank dem wunderbaren Diogenes-Verlag gelangen ihre leichtfüßigen, analytischen Gesellschaftsromane in den deutschsprachigen Raum, wo sie eine Leerstelle füllen.
Sibylle Bergs brandaktuelles Werk mit dem ungriffigen Titel RCE, #RemoteCodeExecution – es geht um unsere ungriffige, versaute Gegenwart – lese ich parallel: phantastisch geschrieben, jeder Satz ein Kleinod, doch in seiner Bleischwere nur in kleinen Dosen und mit einem dreifachen Limoncello vorab zu ertragen.
Ehe ich wieder ins japanische Universum abtauche: Jetzt mit Nanae Aoyamas Erzählband Bruchstücke. Und wieder diese schmetterlingshafte Erzählhaltung bei durchaus deepen Themen … Wie machen die das nur, diese Japanerinnen?