Donnerstag. Nachdem die Türkei ihre Blockade gegen den NATO-Beitritt von Finnland und Schweden aufgegeben hat, startet der Nordatlantikpakt offiziell das Verfahren zur Aufnahme der beiden skandinavischen Länder. Die ist teuer erkauft: Zuerst mussten Schweden und Finnland sich den türkischen Bedürfnissen beugen, indem sie sich verpflichteten, die kurdische Befreiungspartei PKK sowie die Gülen-Bewegung nachhaltig zu verfolgen. Heißt im Klartext: Kurdische Widerstandskämpfer*innen an die Türkei auszuliefern – voller Punktsieg also für Erdogan. Das nordatlantische Verteidigungsbündnis macht auf einem Nebenschauplatz mobil gegen die politische Vision von einem autonomen, demokratischen Kurdenstaat. Es sei angemerkt, dass die Vereinten Nationen, China, Russland, Indien und Ägypten die PKK nicht als Terrororganisation einstufen.
Russland beantwortet die aktuelle NATO-Norderweiterung erwartungsgemäß mit Ankündigungen nuklearer Aufrüstung. Die NATO wird entsprechend re-reagieren. In einer Schulklasse, wo zwei Gangs aufeinander losgehen, greift meistens rechtzeitig eine kluge Pädagog*in ein, bevor die Sache eskaliert. Kluge Vemittler*innen in der Weltpolitik – leider Fehlanzeige, und wenn doch, werden sie von der medialen Öffentlichkeit als Putinversteher*innen niedergeschrien. Männliche Machtspiele auf einem gefährlichen Level, könnte man meinen, doch Politikerinnen wie Frau Baerbock zündeln eifrig mit bzw. voraus („Russland darf nicht gewinnen!“) Gewinnen? Guter Witz, als gäbe es in dem Krieg irgendeinen Gewinner! Angeblich ist Baerbock gerade die beliebteste deutsche Politikerin(?). Sachkundige wie die frühere Russland-Korrespondentin Gabriele Krone-Schmalz dagegen sind von der Bildfläche verschwunden, als hätte es sie nie gegeben – falsche Denke!
Derweil haben Leute wie ich ihre politische Heimat verloren. Jeden Morgen ein neues geopolitisches Narrativ – das mit meinen Werten und politischen Zielen nichts, aber auch gar nichts mehr zu tun hat. Ich bin ja kein Einzelfall. Warte mit Spannung, wohin uns die Geschichte führt.