Mögen

Montag. Die sog. Langzeitarbeitslosen sind noch gar nicht so lang ohne Arbeit. Sie sind zwischen 17 und 24 und sind eine ganz bezaubernde Gruppe von etwas desorientierten, von ihrer Umwelt durchgeschüttelten und aus dem Konzept gebrachten, zum Teil wahnsinnig interessierten Jungs und Mädels. An diesem Vormittag lerne ich viel von ihnen. Sie von mir auch. Kurdische Jugendliche sind fast immer dreisprachig: Kurdisch, Arabisch und Deutsch. Keine*r von ihnen ist freiwillig hier, geschweige denn gerne. In der Pause zeigen sie mir Bilder von kurdischen Hochzeiten im Vergleich zu arabischen Hochzeiten und Webseiten mit funkelnden kurdischen Festkleidern. Die kann man mieten, für 160 € pro Tag. Ich werde direkt zu zwei kurdischen Hochzeiten eingeladen, kann aber nicht so richtig in Erfahrung bringen, ob es überhaupt schon Bräutigame gibt. Ich erfahre von einem sechswöchigen kalten Entzug. Seit 1 1/2 Jahren drogenfrei – das sind Leistungen, die diese Kids so nebenher vollbringen und die sie in ihrem Lebenslauf niemals erwähnen werden. Kein Wunder, dass der Hauptschulabschluss da schon mal auf der Strecke bleibt.
Am Ende gibt es ein Feed back, das mich umhaut. Sie springen total aufs Kreative Schreiben an. Auf meinen Unterricht auch. Ich glaube, wir mögen uns.