Samstag. Wartburg-Weihnachtsmarkt mit meinen zwei Süßen. Der Duft von Schokolade und gebratenem Fleisch, die Klänge einer mittelalterlichen Band: Trommel, Laute, Dudelsack. Sie rennen herum und überlegen, was sie sich am Ende kaufen wollen. Wir haben 60 € dabei, das muss reichen. Wir gehen auch in die Wartburg rein. Im Festsaal wird ein Krippenspiel aufgeführt. Das Kind heißt Kind. Es liegt in der Krippe, und die Eltern von dem Kind sind Geflüchtete.
Dass das Kind einen Namen hat, fällt in diesem Krippenspiel unter den Tisch. Warum dann das traditionelle Gedöns mit Stall und Tieren und Hirten?
Das Kind ist Jesus, sage ich zum L.chen und zum T.chen. Ich flüstere, als handle es sich um einen Geheimcode. Jesus hat in Ostdeutschland keinen Namen. Für mein Theologinnenherz strange.
Ich genieße jede Sekunde mit den beiden. Sie fühlen sich wohl bei uns, das macht mich glücklich. Morgen bringe ich sie mit der Bahn nach Köln, und dann fahre ich mit dem letzten Zug nach Eisenach zurück. Hoffentlich kriegt die Bahn das auf die Reihe, Montag früh habe ich Unterricht in der Ziola.
Aber daran denke ich jetzt noch nicht. Es gibt Lebkuchen und einen Märchenfilm, und die zwei liegen in Decken gekuschelt auf dem Sofa. Sie tragen ihre neuen Mützen, und das T.chen hat sich noch einen gefilzten Morgenmuffel ausgesucht. Das klopsförmige Kopfwesen hockt in einer Tasse und fragt sich wahrscheinlich, warum ein 8-Jähriger es auserwählt hat. Ich frage mich das auch, das T.chen hat einen speziellen Geschmack. Die beiden sind zufrieden.
Ich auch.