Sonntag, 2. Advent. Die NEUE DENKSCHRIFT DER EKD mit dem Titel „Friedensdenkschrift 2025, Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“ vom November 2025 verheißt nichts Gutes.
Wie zu lange Titel selten Gutes verheißen. Sie implizieren nämlich immer gleich eine Rechtfertigung, wie auch hier. Dabei könnte es so einfach sein: Jesus lehrte den vollständigen Verzicht auf Gewalt. Er schlug nicht zurück. Er vergab seinen Feinden. Sogar am Kreuz betete er für seine Peiniger.
Jaja, das wissen natürlich auch diese ausgefuchsten Verfasser der neuen Denkschrift. Nur – so einfach lassen sie das Jesus nicht durchgehen. Weshalb, so das rheotrische Schema, auf dem Fuße ein großes ABER folgt:
„Jesu Bergpredigt ist zentrale Orientierung für christliches Handeln. Aber die Bergpredigt kann keine Gesellschaft organisieren in einer unerlösten Welt, die auch von Gewalt geprägt ist. Es braucht Gesetze, Gerichte und notfalls Militär, um Eskalationen der Gewalt zu stoppen.“
WHAT??? Die konsequenteste aller Jesus-Reden gilt eigentlich gar nicht? War die Gesellschaft zu Jesu Zeiten denn nicht unerlöst? Hat Jesus den Unerlösten (also allen!) etwa ein Hintertürchen offengehalten? Diesen Haken hätten auch die nicht minder ausgefuchsten Pharisäer schlagen können. Die „neue“ Kernaussage also: Frieden schaffen mit vielen Waffen. Und bloß kein Widerstand gegen die beispiellose Aufrüstungspolitik unserer Regierung. Zu viel Protest darf die schrumpfende protestantische Gemeinde sich bitte mal ganz schnell abschminken!
Übrigens: Das These-Antithese-Schema mit dem großen ABER ist der Bergpredigt entlehnt. In diesem Fall ist sie also doch wieder Maßstab, so irgendwie.
Weshalb es in dem Stil munter weitergeht:
Zur nuklearen Abschreckung:
„Die Denkschrift bezeichnet Atomwaffen als ethisch verwerflich, da sie dem Gerechten Frieden völlig widersprechen. Dennoch erkennt sie an, dass der Besitz von Atomwaffen politisch notwendig sein kann, um die eigene Verhandlungsposition gegenüber Atommächten zu sichern. Daraus ergibt sich ein ethisches Dilemma, das für die Verantwortlichen nicht ohne Schuld auflösbar ist.“
„Russland nutzt Atomdrohungen zur Eskalation. Staaten ohne nukleare Abschreckung sind verwundbar gegenüber Atommächten. Aus dieser Situation erwächst ein schwerwiegendes Dilemma:
Der Einsatz von Atomwaffen bleibt unter allen Umständen verwerflich. Dennoch kann ihr Besitz zur Abschreckung sicherheitspolitisch geboten erscheinen. Wenn politische Verantwortungsträger über neue Systeme nuklearer Abschreckung in Deutschland entscheiden sollen, müssen sie das kleinere von zwei Übeln wählen. Eine gute Entscheidung gibt es nicht. Bei der Entscheidungsfindung sollten sie – in guter protestantischer Tradition – allein ihrem Gewissen folgen und nicht durch Fraktionszwang gebunden werden. Die Kirche steht ihnen in dieser Gewissensnot zur Seite.“
Da kann ich nur sagen: Wie gut, dass nur der böse Russe mit Atomdrohungen eskaliert. Die gute USA würden das nie tun. Ach, herrlich, diese EKD.
Zu Rüstungsexporten:
„Waffenlieferungen dürfen nur dem Schutz der Bevölkerung und der Wiederherstellung des Friedens dienen. Es gibt keine generelle Pflicht zur Nothilfe durch Waffenlieferungen. Wenn es um den Beistand für einen zu Unrecht angegriffenen Staat geht, kann die Lieferung von Waffen nach gründlicher Einzelfallabwägung aber ethisch verantwortbar sein. Dabei muss Gewalteskalation vermieden und Verhältnismäßigkeit gewahrt werden.“
Soll heißen: Die Waffenlieferer kontrollieren, was die Empfänger mit den gelieferten Waffen anstellen??? Ach wunderbare EKD, wie gut, dass ich DIR blind vertrauen darf. Amen.
Wer’s genauer wissen will, für den gibt es eine EKD-Kurzfassung. Für Gründliche hier die Vollversion.
Bitte vorher die Nerven mit einem doppelten Wodka, ähm, doppelten Whiskey ruhigstellen.