Dienstag. Eben habe ich mit meiner iranischen Freundin H. telefoniert, die mal in Tübingen bei mir gewohnt hat und jetzt witzigerweise in Jena lebt.
Es ist Krieg im Iran, und in Deutschland tanzen die Exil-IranerInnen auf den Straßen. Wenn das nur auch ihre Freunde und Familien in der zurückgelassenen Heimat könnten …
Wir hier, fernab vom Geschehen, hoffen, dass die iranische Bevölkerung es irgendwie schafft, sich vom religionsfaschistischen Ajatollahsystem zu befreien. Trump hat sie direkt dazu aufgefordert. Aber wer steht den Menschen in diesem weltweit einzigen schiitischen „Gottesstaat“ bei, wer beschützt sie? Leider scheint die Nachfolge ja längst geregelt und durch einen personenstarken, ebenso fanatischen Inner Circle abgesichert. Ist einer tot, rückt der nächste nach. Das Militär und die Revolutionsgarden stehen bis an die Zähne bewaffnet stramm. Noch läuft da keiner über.
Wer es jetzt wagt, auf die Straße zu gehen, nachdem diese Heerscharen von hochgerüsteten Steigbügelhaltern mehrere Zehntausende erschossen haben, nachdem bekannt geworden ist, dass sie auf Chameneis Befehl vorzugsweise in Augen und Genitalien von Protestierenden schießen, braucht unendlichen Mut dafür.
Meine Freundin H. hat große Angst um ihre Familie. Jeder Kontakt ist wegen der von den Behörden verhängten Internetblockade unmöglich, der Satelitenempfang wird gezielt gestört.
Reingehen und Krieg machen kann auch das Gegenteil vom eigentlichen Kriegsgrund bewirken, siehe Afghanistan. Das wünscht man niemandem.