Pantoletten

Montag. Werden Sie mit Ihrem Einkauf die beste Version von sich selbst, mailte mir die Frau aus dem Laden hinterher, in dem ich die Schuhe für die PEN-Tagung gekauft hatte. Ich las das auf dem Weg nach Nürnberg und dachte über Erwartungen nach.
Beim Bezahlen hatte sie mir erklärt, dass sie in jeden Karton einen besonderen Spuch lege. Die Sprüche habe sie sich von einer KI erstellen lassen. Kaum zuhause, schaute ich im Karton nach. Ähnlich den Glückskeks-Zettelchen, tippte ich auf eine Tageslosung. Welche hatte sie für mich ausgesucht?
„Wir wünschen Ihnen magische Momente mit  Ihrem neuen Produkt.“
Da hat sich die KI aber mal so richtig ins Zeug gelegt. Wahrscheinlich waren beide Sprüche KI, massentauglich. Und tatsächlich fühle ich mich in den spitzen Pantoletten, die ich jetzt schon öfter ausgeführt habe, als trüge ich ein Zeichen an mir, das mich für ein sinnhaftes Leben bestimmt. Die Schuhe sind Schönheit und Wahrheit, insofern sie meine Fahrkarte aus Kleinstadtmief und intellektueller Enge sind, mein Wegweiser nach draußen aus allem, was nervt und beschränkt. Ihre schmalen Absätze klappern tockockock auf dem Gehweg wie etwas Ungehöriges. Man hört sie.