Das ist alles nicht ganz einfach einzuordnen …

oder: Wenn die taz der Kirche den Weg heimleuchtet.
Harald Martenstein am 21.06. in der WELT:
»Der deutsche Fußball-Nationalspieler Felix Nmecha ist Christ, sein Glaube bedeutet ihm viel, und er zeigt es. Die zentrale Botschaft dieses Glaubens heißt Nächstenliebe: Liebe sogar deine Feinde. Deine Gegner im Sport natürlich erst recht. Deshalb versammelten sich Nmecha, sein Mitspieler Jonathan Tah und einige Gegenspieler aus Curacao nach dem Abpfiff des WM-Vorrundenspiels auf dem Platz, bildeten einen Kreis und beteten gemeinsam.
Die linke „taz“ titelte zu Felix Nmecha: „Fußballprofi mit Christusfimmel: Platzverweis für Jesus!“ Nmecha, Sohn eines Nigerianers, habe ein „finsteres Menschenbild“. Diese Finsternis drückt sich unter anderem darin aus, dass sehr konservativ geprägte Christen wie er Homosexualität ablehnen. Das Gleiche ist bekanntlich auch bei vielen Muslimen der Fall, zum Beispiel in den Reihen der Hamas und der Hisbollah. Solchen Terrorgruppen wird auf den deutschen Straßen allerdings zugejubelt, auch von deutschen Linken.
Einer von vielen ähnlichen Fällen ist der des 25-jährigen Ahmad Abu Murkhiyeh. Er war, wie etliche queere Bewohner des Westjordanlandes, nach Israel geflohen und hatte dort Asyl beantragt. Der junge Mann wurde aus Israel entführt und in Hebron enthauptet. In Dresden wurde im Oktober 2020 ein homosexuelles Paar von einem Islamisten mit dem Messer angegriffen. Einer der Männer starb.
Feindseligkeit gegen Juden
Von christlich motivierten Mordanschlägen auf Homosexuelle ist hierzulande aus jüngerer Zeit nichts bekannt. So etwas entspräche nicht den christlichen Grundsätzen, jedenfalls nicht den heutigen. Im Bayerischen Rundfunk wurde in einem Film ein Laden mit islamisch-züchtiger Kleidung vorgestellt, dies sei „ein neuer Trend“. Der Mann der Ladenbesitzerin sagte in die Kamera, dass Frauen ein ähnlich wertvoller Besitz seien wie Handys, die stecke man doch auch in eine Hülle. In einem Berliner Bus geriet kürzlich ein Mann in Raserei, nur weil ein anderer Mann angeblich Blickkontakt mit seiner Ehefrau hatte. Er griff mit Reizgas an, neun Verletzte, darunter zwei Kinder.
Unsere Gesellschaft kappt ihre christlichen Wurzeln, gleichzeitig wird der Ton gegenüber Juden immer feindseliger. Ihre allmähliche Islamisierung aber, die sich nicht mehr weglügen lässt, soll diese Gesellschaft als Bereicherung empfinden, wenn nicht als Erlösung: Platzverweis für Jesus.
Die Religion ist in Europa nicht tot. Sie heißt jetzt nur anders. Und sie ist wieder so unduldsam wie zuletzt vor Jahrhunderten. Die historischen Verlierer sind liberale Muslime, die in den letzten Jahren vor den Ultras ihrer Heimatländer geflohen sind. Jetzt werden sie ihnen wieder ausgeliefert.
Schwulenhass? Antisemitismus? Entrechtung der Frauen? Kein Problem. Es sollte halt nur von Muslimen kommen. Mord? Es muss halt die Richtigen treffen. Nach der Ermordung des christlichen Aktivisten Charlie Kirk titelte der „Tagesspiegel“ nicht unerfreut: „Tod eines Brandstifters“. Kirk hat Gewalt immer abgelehnt, er stellte sich jeder Diskussion, er hinterließ zwei kleine Kinder.
Als Beweis für Nmechas „umstrittene Werte“ führte das linke Medium „T-Online“ an, was dieser nach Kirks Tod auf Instagram gepostet hatte: „Ruhe in Frieden bei Gott. So ein trauriger Tag.“ Diese einfache menschliche Geste habe für „Aufregung“ gesorgt. Man soll also nicht einmal trauern dürfen um Leute, die nicht der richtigen Linie folgen.
Was stört, muss weg. Das ist der gemeinsame Nenner von Faschismus, Stalinismus, Islamismus und der Wokeness von heute.
In Ghana bin ich einmal im Gottesdienst einer Pfingstkirche gewesen. Tausende kamen und das Fest dauerte viele Stunden, gefüllt mit Musik, Tanz und Extase. Dabei begreift man, wie intensiv der christliche Glaube in Afrika gelebt wird, oft auch in den USA und Lateinamerika. Er ist dort Teil der Identität und hat wenig mit dem zu tun, was die scheintoten deutschen Amtskirchen anzubieten haben. Viele Einwanderer etwa aus Afrika nehmen die Bibel noch ernst. Aber das ist nicht die Art von Buntheit und Vielfalt, auf die man in Europa gewartet hat.
Von den hiesigen Kirchen haben solche Christen nicht viel zu erwarten, schon gar nicht christliche Solidarität. Zur „Tagesschau“ sagte ein Vertreter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen zum Thema Nmecha: „Diese starke Frömmigkeit steht dem modernen Zeitgeist entgegen.“ Im katholischen „Domradio“ hieß es zu Nmecha: „Das ist alles nicht ganz einfach einzuordnen.“