Dienstag. Wenn dich um Mitternacht ein Bombenknall aus dem Sessel reißt und der Boden unter deinen Füßen schwankt und der Schrank schwankt gleich mit und die Vasen auf dem Schrank kippeln und die Fensterscheiben geben nie gehörte Geräusche von sich und du weißt nicht, ob du spinnst oder ob das gerade wirklich passiert, dann erkennst du schlagartig mitten in deine Angst rein, dass du nur eine kleine Laus, ein winziges Stäubchen bist, das im nächsten Moment unter einem Berg Betonbrocken begraben liegen könnte, ohne dass ein Hahn danach kräht. Ich ziehe mich an, schnappe Schlüssel und Handy und renne auf die Straße runter. War das nur unser Haus oder ein Erdbeben?, das muss ich wissen. Meine Nachbarin taucht im Gang auf. Was machst du?, flüstert sie weiß vor Schreck. Sie will warten, bis ich wieder oben bin. Auf der Straße ist niemand. Ich rufe W. an, weil ich von hier unten Licht in seinem Arbeitszimmer erkenne. W. lacht mich aus. Das ist der Zollerngraben, sagt er. Leg dich wieder hin.
In dem Moment fallen weiße Graupelkörner vom Himmel. Ein kaltes Knistern erfüllt die Luft und lässt die Konturen verschwimmen. Der Vollmond hat sich verpisst. Ich fahre nicht mit dem Aufzug. Meine Wohnung ist warm, aber ich traue ihr nicht. Das Erdbeben hatte die Stärke 3,7.