Blumen und Geschenke

Mittwoch, Tübingen. Turbulente Tage liegen hinter mir. Meine Verabschiedung vor genau einer Woche vom „Amt“: bewegend, schön, irgendwie auch erleichternd. Kurzer Anflug von Melancholie. Standing Ovations für meine Rede (trotz der einen oder anderen Klarstellung).
Abschied auch von meiner Klasse, Blumen, Geschenke und ein paar tolle Elternbriefe über meine Arbeit in den letzten drei Jahren mit ihren Kindern.
Am Morgen bin ich mit Rollköfferchen im „Amt“ eingelaufen, um direkt nach den Feierlichkeiten nach Berlin abzuzwitschern (die immerwährende Angst stehen zu bleiben). Auf der Fahrt Bagdad, Erinnerungen an eine Weltstadt von Najem Wali zuende gelesen und den Fragenkatalog für das Interview am Freitag ergänzt.
Irgendwie krasser Weltenwechsel. Karin und ihr Sohn holen mich am Hauptbahnhof ab, und weil ich solchen Hunger habe, fahren wir erstmal zum Kudamm und essen bei so einer Luxusbude, die bis morgens um fünf geöffnet hat, Currywurst und Pommes.
Die drei Tage übernachte ich diesmal im Hotel Lindenufer in Spandau. Keine privaten Übernachtungen mehr!, die richtige Entscheidung auch deshalb, weil ich mich im Hotel besser auf die Interviews vorbereiten kann. (Außerdem liebe ich Hotels und Frühstücksräume und besonders diesen mit seiner hohen Flügeltür und knarzendem Parkettboden und einem wunderbaren Buffet.)
Arbeitspensum: Grit Seymour am Donnerstag, Najem Wali am Freitag.
Kontrastprogramm in jeder Hinsicht. Hier die weltgewandte Designerin, die bei vielen namhaften Brands ihre Spuren hinterlassen hat und jetzt eine Professur an der HTW Berlin innehat, dort der irakische Schriftsteller mit mehreren (Sprach-)heimaten und vielfältigen Aktivitäten, seit neuestem Beauftragter des Programms Writers in Prison – Writers at Risc und Vizepräsident des PEN-Zentrums Berlin.
Luxusappartement am Prenzlauer Berg versus Arbeitsküche in Kreuzberg. Ich liebe beides sofort.
Samstagmorgen, bevor es wieder auf den Zug geht, gemeinsames Frühstück im Hotel mit meinen beiden Spandauer Freundinnen Karin und Dorle. Wie wir unsere Spuren verfolgen, uns verändern und doch im Kern bei uns selbst bleiben … Wiedersehen demnächst in Eisenach?