Connecten

Donnerstag. Werde immer dünnhäutiger. Das „Amt“ frisst mich. So viele Blicke, so viele Erwartungen. Sie suchen Zuwendung und Interesse, was ich in dem Maß nicht geben kann, niemand kann das dreißig und nochmal dreißig und nochmal dreißig Mal am Tag. Stückwerk. Sie suchen ein Vorbild, ein gutes Beispiel, da werde ich wütend. Ich will kein Beispiel sein, will mir aussuchen, wem ich Vorbild bin, ich weiß um die Bedeutung und schrecke gleichzeitig zurück.

Meine Schreibwerkstatt ist der Freiraum. Sie finden ihre Texte cringe, sie winden sich in ihren oversized Pullovern und ziehen die langen Ärmel weit über ihre Hände. Mit Engelszungen rede ich auf sie ein, bis sie sich schließlich gegenseitig zeigen, was sie geschrieben haben, und dann sind sie zu Tränen gerührt, weil sie sich in den Worten der anderen wiederfinden, weil die Worte sich mit ihnen connecten und gar nicht mehr cringe sind, weil sie sich frei und unbeschwert fühlen wie sonst nie im „Amt“. Wir arbeiten auf unseren alljährlichen Auftritt in Stuttgart hin. Sie haben verstanden, dass Arbeit am Text sich auszahlt: Eine von meiner Truppe hat im November den 3. Platz beim überregional ausgeschriebenen 18. Wekenmann-Literaturwettbewerb gewonnen, als einzige Schülerin!

Vom Verlag heute Absage für meinen Roman. Kein Gedanke an die Wahnsinnsarbeit, aber diese Hoffnung … . Wegstecken, als sei das nichts …