Verstrahlt

Dienstag. Morddrohungen auf Telegram Messenger gegen Politiker*innen, Fackelauflauf in Grimma vorm Wohnhaus der wunderbaren Petra Köpping, Missbrauch des Davidstern-Symbols, krude Theorien über magnetische Einstichstellen nach der Impfung, über Chips im Impfstoff und eine Verbrüderei von US-Techunternehmen, Pharmaindustrie und der Berliner Politikerriege zum Zweck der Menschheitsvernichtung – ich spitze die Ohren bei den Impfgegner*innen in meiner unmittelbaren Umgebung und schwanke zwischen Neugier und Grusel. Ein aufgeheiztes Kraut und Rüben von Aberglaube, rechtsradikalem Gedankengut, Uninformiertheit, Opfermentalität und Großmannssucht sorgt für schrille Töne in den Medien und auf den Straßen. 
Der neue Gesundheitsminister Karl Lauterbach, kein Bankkaufmann, sondern endlich mal ein Mann vom Fach, hat sich selten in seinen Prognosen geirrt, und wo er falsch lag, hat er es zugegeben und sich entschuldigt. Das rechnen ihm viele hoch an, ich auch. Sich zu entschuldigen, zeigt Stärke, bei Politiker*innen eher selten. Vielleicht entschuldigt sich Lauterbach ja dann auch mal für die 4000 Intensivbetten, die seit Jahresbeginn weniger zur Verfügung stehen.
Im „Amt“ lassen sich die Gegner*innen an einer Hand abzählen. Meine Lieblingskollegin gehört dazu, sie ist nicht so verstrahlt wie manche andere, die nächtelang im Netz festhängen und irgendwelche Seiten inhalieren und sich als Expert*innen in der hohen Kunst der Virologie ausgeben. Letzteres geht mir besonders auf die Nerven.
Am liebsten meide ich das Thema, es kocht brutal schnell hoch und weckt Empfindlichkeiten, alle möglichen Leute fühlen sich durch alles mögliche verletzt, auch zwischen PM und mir kein guter Gesprächsstoff …