Kein Widerspruch – nirgends

Andrej Hermlin schreibt:

Die „Antizionisten“ in unserer Zeit
Mein Großvater David Leder, portraitiert 1920 von Gustav Schaffer. (Das Bild wird hier aus rechtlichen Gründen nicht gezeigt, C.J. Vieregge)
Das Bild zeigt David vor der Kulisse von Jerusalem. Das Bild ist eine Phantasie. David, der Zionist war, hat Jerusalem nie gesehen.
Im November 1938 wurde er in Berlin verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht.
Einige Wochen später ließ man ihn frei, meine Großmutter hatte die SS wohl mit einem Gemälde von Lovis Corinth bestochen.
Im letzten Moment, kurz vor Kriegsausbruch, gelang meinen Großeltern die Emigration nach England, wo David einige Jahre später starb.
Sein Sohn Rudolf Leder, mein Vater, der Deutschland bereits 1936 verlassen hatte, floh vor dem arabischen Terror aus einem Kibbuz in Palästina zurück nach Europa.
Seine Frau Juliette wurde 1941 in Frankreich von einem Faschisten vergewaltigt und starb.
Mein Vater überlebte die Shoa nur knapp.
Seine Schwester Ruth blieb in Palästina und lebte bis zu ihrem Tod in der Nähe von Tel Aviv.
Gestern musste ich an das Bild von Gustav Schaffer denken.
Gestern beschloss der Landesverband der Linken in Niedersachsen, sich zum ersten antizionistischen Landesverband der Partei zu erklären.