Samstag. Als ich heute Morgen meinen Koffer nach unten trage, steht Beret ganz zerknittert im Schlafanzug in der Tür. Bedrückender Abschied, ich laufe zur Bushaltestelle und fahre zum Kieler Hauptbahnhof. Jetzt geht es für die beiden wieder zu zweit weiter. Ich bringe ihnen ein Stück Welt ins Haus, an der sie kaum noch teilnehmen. Zeit spielt für sie keine Rolle, ein Tag ist wie der andere, vergeht mit körperlichen Schmerzen, zunehmenden Einschränkungen, Ohnmacht auf der einen und Organisation des Alltags, Kraftanstrengung, Ausgepowertsein auf der anderen Seite. Deprimiertheit auf beiden Seiten. Es gibt keine Lösung. Beret sah so traurig aus, das sticht mir ins Herz. Ich bin total gerne bei ihnen, leider werden die Abstände immer größer. Ich liebe unsere DreierWG und die Erfahrung: wir nehmen uns so, wie wir sind. Keiner krittelt am anderen rum. Keiner schämt sich vor den anderen. Jeder wünscht dem anderen nur Gutes. Beret und Jerome sind meine liebsten und ältesten Freunde. Sie wissen alles über mich, und ich weiß alles über sie. Ich bin kein Besuch, sondern Mitbewohnerin. Familienmitglied. Und Familie ist Jerome ja tatsächlich. Mein Lieblingsvetter eben. Mein Lieblingsfreund.
Die Zugfahrt war entsetzlich lang. Jetzt bin ich zu Hause und fühl mich allein.