Gute Tote, schlechte Tote

Donnerstag. Darja Dugina starb am 20.08.2022 auf einer russischen Autobahn durch eine Autobombe. Die Berichterstattung über den Mord an der 29-jährigen russischen Journalistin gibt in erster Linie Aufschluss über sich selbst.
Ob taz oder Deutschlandfunk: Als Erstes erfuhren wir, dass sie die Tochter des  rechtsnationalistischen, terroristischen Ideologen und Putineinflüsterers Alexander Dugin war; auch Putins Hirn genannt. Wir erfuhren mehr über den Vater als über die ermordete Tochter, manche Blätter vergaßen glatt, dass sie einen eigenen Namen hatte. Den konnte man eigentlich auch vergessen, denn sie war ja eine Kriegsbefürworterin (wie zu der Zeit noch beinahe die gesamte russische Bevölkerung). Als nächstes wurden wir darüber informiert, dass das Entsetzen über den Anschlag bei den russischen Nationalisten und prorussischen Kräften in der Ukraine groß sei. Der dritte Teil widmete sich dem Abstreiten jeglicher Schuld von Seiten der Ukraine.
Was diese Art von Berichterstattung zwischen den Zeilen suggeriert: Eine rechtsnationalistische Tote ist weniger zu bedauern als jede andere Tote, ja, sie ist eigentlich selber Schuld und warum war sie auch so rechts. Trauern und sich entsetzen tun deshalb auch nur die Russen mit nationaler und prorussischer Gesinnung, den anderen kann das Attentat nur egal sein. Und last but not least: Die Ukraine kann es nicht gewesen sein, denn sie hat das Attentat stets abgestritten.
Dass im Krieg beide Seiten töten und manchmal auf sehr heimtückische Weise, ist so banal, dass es nicht extra erwähnt werden muss. Es gibt keine guten und schlechten Toten. Es gibt nur zu viele Tote. Die moralische Bewertung von Toten, die allgegenwärtige klammheimliche Freude über tote Russ*innen ekelt mich an. Sie ist nichts anderes als Rassismus.
Wie heute die Tagesschau vermeldet, gehen inzwischen auch US-Geheimdienste davon aus, dass die ukrainische Regierung hinter dem Mord steckt. Sie wollte den Vater töten und traf die Tochter.