Sonntag. PM schläft. Erschöpft von Arbeit und Verantwortung, kommt er hier an den Wochenenden zur Ruhe. Die strenge Wochenstruktur, an die ich mich inzwischen gewöhnt habe, tut mir auch gut. Gestern Abend Geburtstagsparty bei K. und H. mit Band im Wohnzimmer und Tanzen und Essen und freundlichen Menschen, die an PMs Schicksal teilnehmen und Zeit finden Fragen zu stellen. Fragen sind auf ganz unironische und unmittelbare Weise sexy.
Uwe Bohm ist gestorben, der Darsteller mit den dunklen Augen im hellen Gesicht, die von abgründigen Verletzungen sprechen und nie von Fröhlichkeit, selbst wenn er lacht. 2009 habe ich ihn im Berliner Ensemble in einer der letzten Vorstellungen des Peer Gynt von Peter Zadek gesehen. Angela Winkler spielte die Mutter, Anouschka Renzi hatte einen spektakulären Auftritt auf einem echten Pferd. Ich hatte wahnsinnig Schwein, noch ein Ticket zu ergattern. Bohm spielte fast die ganze Zeit nackt. Das Stück ging drei Stunden, wenn ich mich richtig erinnere, und er hatte Text ohne Ende. Wie man so viel Text behalten kann und gleichzeitig so hautnah diesen von Konventionen freien Lebenskünstler darstellen, das hat mich von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt. Wie traurig! Er ist nur 60 Jahre alt geworden.
28 plus 25 plus 18 Klausuren warten darauf, korrigiert zu werden. Bei manchen weiß ich schon jetzt, dass es meine letzte Korrektur zu diesem Thema ist. Weshalb ich mir zum ersten Mal im Leben Zeit dafür nehme. Ich bleibe bei meiner Entscheidung: Ortswechsel, Themawechsel. Die biographische Kurve geht aufwärts, das ist spannend. Es ist das, was ich will.