Assoziationsprinzip – Valentin Braitenberg

Dienstag, Eisenach. Rückblick. Da ist man in Tübingen und landet direkt in so einer tollen wie inspirierenden Matinee: Hommage an den Hirnforscher / Kybernetiker / Universalgelehrten Valentin Braitenberg am Sonntag, 25.10.26 im Kino Museum).
Allen voran Niels Birbaumer, der die abgefahrene Titelreihung Prof. Dr. phil. Dr. hc mult. trägt, deren Aura er durchaus gerecht wird.

Thesen:

Die Fähigkeit zum Assoziationsdenken ist schon beim Ungeborenen nachzuweisen.
Jeder Bewegung des Körpers geht eine Bewegung im Gehirn voraus, eine Beobachtung, die schon Aristoteles gemacht hat.
Assoziationsverkettungen führen zum Gedankenstrom und umgekehrt.
Frage: Welche Rolle spielt die Bewegung im Gehirn vollkommen gelähmter Menschen? Was passiert bei diesen der Bewegung unfähigen Menschen im Gehirn, die weder selbst atmen noch ihre Augen bewegen können – aber ihr Gehirn arbeitet. Wohin gehen ihre Gedanken?
ALS-Patienten – Ihr Wunsch zu sterben nimmt im Verlauf dieser schrecklichen Krankheit ab. Kein Wunsch, den Tod zu beschleunigen. Dies ergeben die Befragungen solcher Patienten mittels elektronischer Messungen (Neuroimplantate). Birbaumer: Der Patient muss lernen, seine Antworten Ja (heller Ton) und Nein (tiefer Ton) in Richtung der Implantate zu lenken.
Auch amputierte Gliedmaßen werden aus dem Gedächtnis getilgt / zunehmend ignoriert. Mit einer Prothese kehrt das Glied jedoch wieder in das Assoziationsdenken zurück. SchlaganfallpatientInnen könen lernen, z.B. die unbewegliche Hand zu bewegen, wenn die gesunde Hand fixiert wird (nur bei leichten Fällen).
Alle diese Erkenntnisse beruhen auf der Grundlage des Braitenbergschen Assoziationsprinzips (Buch: Vehikel).
Frage: Wieso haben ALS-Patienten keine Todessehnsucht? Wieso vermissen sie ihren Körper nicht? Beobachtung: Auch Menschen, die zwei Wochen reglos am Strand liegen, scheinen vollkommen zufrieden. Oblomow (Roman von Iwan Gontscharow) war ein russischer Adliger, der sein gesamtes Leben im Bett verbracht hat. Er bekam trotzdem alles, was er wollte; er brauchte es nur zu denken, und schon geschah es: Durch seinen getreuen Diener.
Unsere Gedanken sind vollkommen ausreichend ohne jede Bewegung? – davon phantasieren Techno-Faschisten wie E. Musk. (Marionetten, willfährig, abhängig, steuerbar).
Bewegungsunfähige vergessen oft die Verben in ihrer Sprache => Das Gehirn löscht Bewegungs- und Tätgkeitsassoziationen, die der Körper nicht mehr ausführen kann. 
Blick in die Zukunft: Der moderne Mensch braucht nur noch seine Daumen. Das den Maschinen (Handy, PC, Körperimplantate …) angeglichene Körperverhalten führt zum totalen Auslöschen des eigenen Denkens. Der Traum eines jeden Diktators.

Birbaumer wie auch sein Vorredner Dr. Marco Wehr sprachen jeweils ca. eine Stunde lang ohne jedes Manuskript. Allein das schon ein Erlebnis.