Donnerstag. Die reine Wahreit im ZDF ist angekratzt.
Wenn KI-generierte Bilder im Heute-Journal über die US-Einwanderungsbehörde ICE wieder ein unerhörtes, empörendes Bild von Trumps USA zeichnen, dann ist das mit Sicherheit kein bedauerlicher Fehler, wie ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten suggerieren möchte, sondern vollste Absicht, nur leider schief gegangen.
Keineswegs wird das ZDF daraus „klüger werden“ (Schausten), sondern es wird die Methodik verfeinern. Für einen Fehler stimmt die Richtung allzusehr mit der bisherigen Richtung der Öffentlich-Rechtlichen überein: Kräftezehrendes Trump-Bashing – um sich der erhofften Nachfolgeregierung aus den Reihen der Demokraten in vorauseilendem Gehorsam anzudienen?
Egal, wie man zu Trump steht: Mit dem Abarbeiten an seiner Figur hat der deutsche Journalismus seine journalistischen Standards wie Qualität, Wahrhaftigkeit und Unabhängigkeit in der Berichterstattung, bzw. Wahrheit, Sorgfalt, Menschenwürde (Pressekodex) aufgegeben und damit die Trennung von Meinung und Nachricht.
Eine weitere Sequenz, in der Kinder abgeführt werden – der zweite bedauerliche Fehler desselben Beitrags! – stammt aus einem völlig anderen Kontext aus dem Jahr 2022. Auch diese Fälschung will uns, dem tumben Publikum, die Richtung weisen, in die wir zu denken haben.
Das ist immer der Moment, in dem etwas in meinem Bauch passiert. Ich hasse Denkvorschriften. Ich verstehe nicht, wie Denkvorschriften nicht misstrauisch machen können. Allein die manipulative Art und Weise, wie die neue US-Politik dargestellt wird, müsste doch die Alarmglocken in aller Ohren zum Tösen bringen. Tut es aber nicht. Trump ist doof (was wohl stimmt), Israel ist doof (was nicht stimmt auf dem historischen Hintergrund), und die Juden sind es natürlich auch.
Hallo?
Wenn ich jemanden wirklich doof finde, heißt: aus guten Gründen ablehne, dann versuche ich nicht, ihn schlechtzumachen wie kleine Mädchen, die Zickenkriege führen, sondern etwas Konstruktives dagegenzusetzen. Wo bleibt das konstruktive, europäische Modell? Das anfängt, sich vom amerikanischen Großen Bruder zu emanzipieren? Das seine Identität nicht über gemeinsame Waffenlieferungen oder gar die gemeinsame Atombombe definiert, sondern über eine gemeinsame friedliche Außenpolitik.
Wär das nicht mal ein Thema für das ZDF Heute-Journal?
Ergänzend (10.03.26): Podcast-Beitrag „Sachlich richtig“ mit der ehem. ZDF-Mitarbeiterin Katrin Seibold