Materialverschleiß

ist: „Substanzverlust durch Beanspruchung als Verschlechterung des Zustandes“ (Duden).
Das „Amt“ fängt so an, dass man am ersten, zweiten, spätestens dritten Tag an sein Limit kommt. Mail-Lawinen, Planänderungen, Vertretungsübernahme fürs ganze Jahr, absurd große Lerngruppen, stundenlange never ending Konferenzen, Abstimmung (worüber nochmal?), Verlesen neuer Verordnungen, Abstimmung (worüber noch gleich?), noch mehr Verordnungen. Das Ministerium erfindet das „Amt“ jährlich neu, und wir zurren obendrein fest, wo es noch etwas festzuzurren gibt. Weil Freiräume doch nur missbraucht werden! Sagt Kollege B., welcher in solchem Vokabular zuhause ist. Also das Netz noch enger gespannt, das sind demokratische Entscheidungen. Wie im Knast, flüstert eine schräg vor mir und wirft den Kopf in den Nacken und schließt die Augen, als wollte sie erst in drei Tagen wieder aufwachen. Wo ist die italienische Sonne hin, wo der türkis blinkende Comer See? Hinter oder eher unter mir, in meinem Rücken, jenseits der gläsernen Fensterfront, fließt grün und gelassen der Neckar. Noch weiter hinten eine grüne Kulisse, Neckarinsel. Ruderboote, lachende Mädchen. Aber wir sind hier drinnen, und die Sitzung ist noch lange nicht zuende …