Real Humans

Freitag. Die schwedische Serie Real Humans setzt fiktional um, was der Transhumanismus an Theorie liefert.
Ich finde die Serie sehr gut und gar nicht übertrieben:
Sogenannte Hubots, technikbasierte Menschen, fangen die kommunikativen und sozialen Defizite der Menschen auf und machen sich auf die Weise unentbehrlich – sei es in ihrer Funktion als devote Liebhaber*innen, als ergebene Arbeitssklaven, als nimmermüde Altenpflegerinnen oder als Kumpel im Dauer-Einverständnis-Modus.
Ein biobasierter Mensch erschießt sich und löst damit das Uploading seines Gehirns, seiner Gedanken und Emotionen auf die Festplatte eines Hubots mit exakt seiner Physiognomie aus – der ewige Mensch, wie TH-Vordenker Ray Kurzweil ihn imaginiert und für die nahe Zukunft prognostiziert hat: Die nächste evolutionäre Stufe auf dem Weg zum Maschinenmensch, aber nicht die letzte.
Nur an sehr wenigen, geradezu versteckten Stellen seiner Bücher rückt Kurzweil mit der Sprache raus: dass die menschliche Version aus Fleisch und Blut für den Datentransfer auf seinen Avatar sein Leben lassen muss. Er nennt es den “kleinen Schönheitsfehler”* in seinem Denkmodell.
Kurzweils unkritisch naive, von Ski-Fi-Filmen genährte Begeisterung wird in der Serie ersetzt durch einen unterschwelligen Grusel, der als Blaupause für die Plot-Entwicklung dient.
Eine Gegenbewegung ist auch in Sicht: die Anti-Hubot-Partei mit einer Parteijugend, die radikal genug ist, die Vernichtung der Hubots zugunsten des biobasierten Menschen einzufordern. Die Partei ist allerdings sehr klein, zudem wirken ihre Vertreter*innen tumb altmodisch und wie aus der Zeit gefallen: So verweigern sie Lebensmittel, die von Hubots produziert werden, was auf dem Etikett vermerkt sein muss. Die Hubots hingegen überzeugen durch Smartheit und Geschmeidigkeit – keine Frage, sie werden den alten Menschen hinter sich lassen. Insofern kann man sich nur ein dystopisches Ende vorstellen.

**Ray Kurzweil: Die Intelligenz der Evolution, KiWi 2020² S. 214

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