Freitag. Die Idee, dass die Person, die wir normalerweise sind, durch den Blick der Anderen geprägt ist und dass wir, wenn wir komplett allein sind (wie gerade durch Corona), dieses Konzept der eigenen Identität verlieren – ist ein Gedanke, den eine Jungautorin aus meiner Schreibwerkstatt in den Raum stellt.
Der Blick der Anderen – dass sie damit den Kerngedanken der Philosophie Sartres aufnimmt, weiß sie nicht. Deshalb fasziniert mich ihr Denkansatz so. Er ist eigenständig, brandaktuell und doch durch unsichtbare Fäden mit längst Gedachtem verbunden.
In Die Eingeschlossenen bestimmt der fremde Blick der jeweils beiden Anderen das Sein der dritten Person – alle drei sind für die Ewigkeit in der Hölle eingeschlossen, ohne Spiegel, ohne Schlaf (d.h. ohne die Möglichkeit die Augen zu verschließen).
Der Andere ist von existentieller Bedeutung, um meine eigene Identität zu begründen – that’s it, was die Leute gerade verrückt macht: Der Andere ist nämlich nicht da, hockt auch allein in seiner Bude im Homeoffice, am PC, ist ein Eingeschlossener wie ich.