Unterwerfung …

… von Michel Houellebecq (2015) ist ein Buch für Frauen. Ein Warnbuch, sozusagen: Nach der Regierungsübernahme durch islamische Parteien in den meisten europäischen Ländern werden die Frauen aus dem öffentlichen Leben getilgt. Sichtbar in Erscheinung treten nur noch die Männer, auf die ein gepampertes Dasein nach sehr klar definierten Regeln wartet. Die Frauen verschwinden in die Bedeutungslosigkeit von Küche und Bett. Sie werden nicht einmal von ihren Männern ausgewählt. Das Wählen des/der Ehepartner*innen gilt in der islamischen Gesellschaft als Relikt eines längst überwundenen Individualismus‘. Statt dessen übernehmen diese Arbeit erfahrene Ehestifterinnen, und alle sind’s zufrieden. Auch der Protagonist fügt sich am Ende. Die letzte Hürde, der Übertritt zum Islam, fällt ihm, dem Atheisten, ein wenig schwer. Doch das gute Einkommen als Uniprofessor und die Aussicht, dass dieses Einkommen für vier Ehefrauen reicht, erleichtern ihm den Schritt. Der Vorgang des Konvertierens ist im Konjunktiv – Potentialis – geschrieben. Und dann ist das Buch zu Ende. Es bleibt die Hoffnung, dass er es nicht tut. Doch die Hoffnung ist angesichts der Lockmittel unbegründet.
Der Roman ist im absolut trockenen, schwer vermittelbaren Universitätsmilieu angesiedelt. Den roten Faden bildet die Dissertation über einen französischen Autor namens Huysmans. Keine leichte Lektüre also, keine Massenlektüre. Die Handlung ist von der Straße weggeholt. Sonst wäre sie anders ausgefallen. Sonst wäre das Buch niemals gedruckt worden. Die Dialoge sind geschliffen, die Morde während der kurzen Übergangsphase geschehen wie nebenbei, selbst hier ist der Ton fein und gewählt: Degen statt Machete. Nur in dieser intellektuellen Abgehobenheit ist der Plot nicht rassistisch: In der Kritik steht weniger der Islam als der französische Linksintellektualismus – dessen Vertreter einer nach dem anderen umfallen. Als hätten Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit bzw. Schwesterlichkeit / Feminismus nie im französischen Kollektivbewusstsein existiert. Hauptsache der Mokka wird heiß serviert, von einer servilen Ehefrau. Auf die Weise entsteht eine dunkle, auf leisen Sohlen daherkommende, nicht gänzlich unrealistische Geschlechter-Polit-Dystopie. Merkwürdigerweise von einem Mann geschrieben, der doch zu den Gewinnern gehören würde …