Montag. Seit zwei Wochen klafft im Schaufenster des Antiquitätenhändlers ein Loch.
Nämlich seit ich den Tisch und die drei Stühle bei ihm gekauft habe. Sehr schöne Stühle und ein sehr schöner Tisch, Art Deco, (kl)eine Entschädigung für das in der Ahrflut zertrümmerte Biedermeier-Esszimmer von meinen Eltern.
Jeden Tag komme ich an dem Schaufenster vorbei und schaue nach. Irgendwann muss er doch irgendwas wieder reinstellen, in das Loch, das wirklich nicht gut aussieht.
Bevor der Tisch und die drei Stühle zu uns kamen, hat das Schaufenster des Antiquitätenhändlers sich niemals verändert. Genau genommen seit zwei Jahren, seit ich in Eisenach zugange bin, wahrscheinlich aber schon viel länger, stehen immer dieselben Möbel, verlocken immer dieselben Skulpturen, hängen immer dieselben Ketten in dem kleinen, vollgestopften Verkaufsraum.
Der immer noch für Überraschungen gut ist.
Anfangs habe ich mir die Nase plattgedrückt, heute erledige ich das im Vorübergehen. Die Ketten habe ich alle schon durchprobiert, eine Skulptur im Kopf abgespeichert für später.
Eine Art Deco Vase aus Glas hätte ich auch noch gerne, haben Sie da was?, frage ich ihn.
Er reibt sich das Kinn, verneint bedauernd.
Als ich wieder einmal vor seinem Schaufenster stehe, also gestern, sehe ich sie: Ganz unten links in der Ecke, von einem hässlichen Strohblumenstrauß halb verdeckt. Wahrscheinlich will das Auge da nicht hingehen, wegen dieser Strohblumen, aber wenn man es zwingt, erkennt es, dass die Strohblumen in einer kleinen Art Deco Vase stecken. Aus Glas. Genau was ich suche.