Vor den Vätern …

Mittwoch. Reinhard ist gestorben. Der Rätselhafte, der Welt Entzogene. PM ist in Berlin und versucht zu ordnen. Dokumente müssen gesucht, Verträge gekündigt, die Beerdigung organisiert, der Vater informiert werden – das ist der Horror: Bote der denkbar schlimmsten Nachricht zu sein … wenn der Sohn vor dem Vater stirbt.
Und lernt seinen Bruder von einer neuen Seite kennen. Der leidenschaftliche Büchersammler, Fotograf, Berlin-Erkunder, Lebenskünstler war auch ein intensiver Briefeschreiber. Der Einzelgänger hatte Beziehungen. Er war schon tot, als PM in der Klinik ankam. Im Gigabetrieb des Klinikums vergaß der behandelnde Arzt, ihn über den kritischen Zustand zu benachrichtigen. Jetzt tut es dem Arzt leid. Was soll einer damit anfangen, mit dem Leidtun eines Versäumnisses, das nicht wieder gutzumachen ist?
Einen Tag später hatte ich in Konstanz eine Lesung mit Lass uns über den Tod reden. Endlich wieder Präsenz-Publikum, mit online-Übertragung für die, die nicht kommen konnten, und Chat-Beteiligung bei der anschließenden Diskussion dank professioneller Technik. Schöne Rückmeldungen, der Aufwand lohnt sich jedes Mal.
Komisches Gefühl, wenn Praxis und Theorie sich so überschneiden.