Wenn Kretschmann Gutes tun will und genau das Falsche tut …

Samstag ... dann überlässt er den islamischen Religionsunterricht ultrakonservativen, sunnitischen Islamverbänden und weist Mitglieder des liberalen Reformislam ab.

2019 hatten das Kultus- und das Wissenschaftsministerium die Stiftung Sunnitischer Schulrat ins Leben gerufen. Dieser verantwortet und organisiert seit 2020 den islamischen Religionsunterricht an baden-württembergischen Grund- und Werkrealschulen. Weil die mit Steuergeldern finanzierte Stiftung einen aufgeklärten und liberalen Islam ablehnt, weist sie konsequenterweise demokratisch gesinnte, liberale islamische Theolog*innen für die Religionspädagogik-Ausbildung ab.

Im Klartext: Durch Aussonderung freigeistiger Köpfe sorgt die Stiftung Sunnitischer Schulrat ganz offiziell dafür, dass in Ba-Wü zukünftige islamische Religionslehrer*innen auf keinen Fall mit liberalem – demokratischen – Gedankengut in Berührung kommen!

Dass überhaupt eine Stiftung, und nicht die ausbildende Universität, darüber entscheidet, wer zur Ausbildung und schließlich zur Berufsausübung an staatlichen Schulen geeignet ist, gibt es sonst bei uns nicht. Wieso löst das keinen Sturm in den Medien aus?

Die Professorin Susanne Schröter leitet das Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam. „Seit Jahren warnen Experten davor, dass Akteure des politischen Islam ihre Kooperationen mit staatlichen Einrichtungen nutzen könnten, um Muslime kaltzustellen, die einen mit der Demokratie kompatiblen Islam vertreten“, sagt sie. In Baden-Württemberg sei jetzt der schlimmste anzunehmende Fall eingetreten. „Liberale Hochschullehrer werden von zweifelhaften islamischen Akteuren angegriffen, das Kultusministerium schweigt, und den islamistischen Interventionen wird Tür und Tor geöffnet.“

Nicht nachvollziehbar, wie falsch die Weichen hier gestellt werden. Wenn das Zusammenleben von Muslimen und Nichtmuslimen weiterhin friedlich bleiben soll, brauchen wir die liberalen Islamlehrer*innen und -ausbilder*innen. Wir brauchen Theologen, deren Islam mit demokratischen Maximen vereinbar ist. Wir brauchen keinen abgeschotteten Ghetto-Glauben. Das scheint aber vielen Politiker*innen überhaupt nicht klar zu sein, wie das Beispiel Baden-Württemberg und NRW zeigen: In NRW ist die Landesregierung ein Schulbündnis mit Ditib eingegangen, der als Sprachrohr für Erdogans antisemitische Agenda gilt.

Und wieder ein Argument, das der AfD in die Hand spielt. So leicht zu erkennen … was läuft da schief?