Wie glücklich sind Sie?

Donnerstag. Journalist*innen fragen nicht mehr: Wie geht es Ihnen jetzt nach diesem Erfolg? sondern: Wie glücklich sind Sie?
Ich bin sehr glücklich!, sagt der Spieler des Gewinnerteams.
Wie stolz sind Sie?
Ich bin sehr stolz!, sagt die Schauspielerin, die einen Filmpreis abgeräumt hat, und klappert uninspiriert mit den Wimpern, weil sie merkt, dass das Interview eigentlich schon vorbei ist.
Was in einer dunklen Stunde im Interesse der Zeitökonomie von keine Ahnung welcher ausgebufften Institution ersonnen wurde – immerhin muss die/der Interviewte nicht mehr von selbst auf die Zustandsbeschreibung glücklich und stolz kommen –, entpuppt sich als Gesprächsblockade. Seit Jahren schläfert uns dieser Mist ein, der wie unter einem Brennglas – trendy Lieblingsfloskel aller Kommentator*innen und Politiker*innen – die Merkmale unserer Zeit manifestiert: Stromlinienförmig, eintönig, risikofrei, steril.
Ein guter Gesprächsopener sieht anders aus. Eine gute Antwort dann auch.